Full text : Die freiwilligen sozialen Fürsorge- u. Wohlfahrtseinrichtungen in Gewerbe, Handel u. Industrie im Deutschen Reiche

Aktienbrauerei  zum  Löwenbräu,  München.

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erhielt  die  Kasse  anläßlich  des  fünfundzwanzigjährigen  Bestehens  der  Brauerei  eine  außerordentliche ­
  Zuwendung  von  ioo  ooo  M.  Seitdem  wurden  ihr  jährlich  50  000  M.  zugewiesen
und  seit  Übernahme  der  Mathäserbrauerei  jährlich  60  000  M.  So  konnte  denn  die  gesamte ­
  Reserve  zur  Höhe  von  zurzeit  1  450  000  M.  anwachsen,  die  jährlich  von  der
Brauerei  noch  mit  4  Prozent  verzinst  werden.  Die  Höhe  der  Pensionen  und  Unterstützungen ­
  an  die  Arbeiter  und  deren  bedürftige  Familien  hat  im  Jahre  1912  etwa  44  000  M.
erreicht.
Die  höchste  Pension  eines  Mannes  beträgt  gegenwärtig  nahezu  2000  M.,  die  einer
Witwe  640  M.,  die  jedes  Kindes  in  der  Familie  gegen  60  M.,  eine  Vergünstigung,  an  der
gegenwärtig  45  Männer,  82  Frauen  und  60  Kinder  teilnehmen.
GRATIFIKATION.  Damit  auch  der  Geist  der  Familienzusammengehörigkeit  unter  den
Angestellten  wachgehalten  wird,  ist  seit  vielen  Jahren  die  Einrichtung  getroffen,  daß  zum
Weihnachtsfest  jeder  Arbeiter  eine  Gratifikation,  jede  Familie  für  jedes  ihrer  Kinder
ein  Geschenk  von  je  10  M.  erhält,  was  bei  dem  gegenwärtigen  Personalstand  die  ansehnliche ­
  Summe  von  jährlich  50  000  M.  ausmacht.
VERGÜNSTIGUNGEN.  Aber  auch  auf  anderem  Gebiet  hat  die  Brauerei  mit  gutem
Erfolg  ein  Stück  praktischer  sozialer  Arbeit  geleistet.  Rechtzeitig  sicherte  sie  sich  in  der
Nähe  Münchens  ausgedehnte  Gründe;  das  Ökonomiegut  Obergrashof  bei  Dachau,  das
seine  Produkte  für  die  Brauerei  liefert,  und  zum  Teil  die  105  Pferde  und  100  Ochsen  ernährt,
die  neben  acht  großen  Lastautomobilen  den  Fuhrpark  bilden,  wurde  auch  der  Arbeiterschaft ­
  dienstbar  gemacht.  Der  Anbau  von  Getreide  und  Kartoffeln,  eine  ausgedehnte  Milchwirtschaft ­
  ermöglichten  es,  den  Angestellten  Vergünstigungen  einzuräumen,  die  bei  der
allgemeinen  Teuerung  der  Lebensmittel  als  wertvolle  Beihilfe  angesehen  werden  dürfen.
So  wurden  im  verflossenen  Jahr  etwa  1000  Hektoliter  bester  Milch  zum  Preis  von  18  Pfg.
(der  sonstige  Kleinverkaufspreis  beträgt  22  Pfg.),  sowie  andere  landwirtschaftliche  Erzeugnisse ­
  zu  niedrigen  Preisen  an  die  Familien  abgegeben.
Den  üblichen  Haustrunk,  der  Brauereiarbeitern  gewährt  wird,  hat  die  Gesellschaft,
gleich  den  anderen  Münchener  Brauereien  in  bar  abgelöst  und  damit  die  Löhne  entsprechend
erhöht.  Niemand  ist  also  zum  Trinken  verleitet,  wohl  aber  wird  den  Leuten  der  Vorzug
gewährt,  das  benötigte  Bier  zum  Preis  von  18  Pfg.  per  Liter  (gegen  28  bzw.  30  Pfg.  in  den
Schanklokalen)  von  der  Brauerei  zu  beziehen.
Freundliche,  helle  Säle  dienen  in  dienstfreien  Stunden  jenen,  die  der  Stärkung  bedürfen,
zum  Aufenthalt,  und  eine  Brauereiküche  sorgt  für
SPEISEN  ZU  MÄSSIGEN  PREISEN.  Wenn  nach  einem  Scherzwort  die  Nase  des  Wirtes
für  die  Güte  des  Weines  spricht,  den  er  im  Keller  hat,  so  dürfte  hier  das  Aussehen  der  Köchin
auf  unserem  Bilde  davon  zeugen,  daß  aus  dieser  echt  bayerischen  Küche  solide  Leberknödel
und  nahrhafte  Kalbshaxen  hervorgehen.  Eine  Anzahl
BADE-,  WASCH-  UND  ANKLEIDERÄUME,  dann  besondere  Heizräume  zum  raschen
Trocknen  nasser  Kleider  stehen  zur  Bequemlichkeit  der  Arbeiter  jederzeit  zur  Verfügung.
Für  die  Nichtverheirateten  ist  ein  geräumiger  luftiger
SCHLAFSAAL  eingerichtet,  durch  dessen  Benützung  sie  ohne  jede  Beschränkung
ihrer  persönlichen  Freiheit  die  Ausgaben  für  Schlafstellen  sparen  können.
Aber  auch  die  Stätten,  an  denen  der  Werktätige  den  größten  Teil  seines  Lebens  verbringt,
hat  die  Brauerei  freundlich  und  luftig  und  allen  gesundheitlichen  Anforderungen  entsprechend
auszugestalten  gesucht.  So  sind  nach  und  nach  immer  neue  Einrichtungen  und  Bauten  erstanden. ­
  Eben  geht  ein  hochstrebendes  Gebäude  an  der  Nymphenburger  Straße  seiner  Vollendung ­
  entgegen,  dessen  gewaltige  Hallen  die  Picherei  für  die  150  000  Versandfässer  aufnehmen ­
  werden.  Für  raschen  Rauchabzug  und  für  gründliche  Lüftung  ist  hier  nach  Kräften
            
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