Die wirtschaftliche Entwicklung der Industrie im Gsten. 25
grundbesitzes beruften. Im Osten gibt es aber für den Abzug
von Landarbeitern bestimmte Momente, die unaufhaltsam, schon
ohne das Bestehen derartig neuer Industriezentren wirken,
durch deren Entstehung aber in ihrer Gesamtheit ohne weiteres
gefördert werden müssen. Für den östlichen Arbeiter kommt
ganz allgemein der Zug nach dem Westen in Betracht, weil
ganz allgemein die Anschauung verbreitet ist — es soll hier
nicht untersucht werden, ob diese Anschauung richtig ist - daß
der Westen eine bessere Lebenshaltung gewährleiste, als die
patriarchalischen Verhältnisse des Ostens ermöglichen; speziell in
den Kreisen der Handwerker, noch mehr aber in denen der
fabrikmäßig ausgebildeten Arbeiter ist dieser Gedanke allgemein
vertreten. Es ist mir eine charakteristische Ziffer seitens einer
großen Maschinenfabrik mitgeteilt worden, von den dort hand
werksmäßig ausgebildeten Arbeitern wandern über 90 °/o nach
kurzer Zeit, fast sofort nach vollendeter Ausbildung in den Westen
ab. Auch wird die Anschauung, die mir gegenüber von dem Spn-
dikus des Vereins Ostdeutscher Industrieller, Dr. John, vertreten
wurde, daß in der östlichen Arbeiterschaft ein stärkeres Fluk
tuieren beliebt werde, als es im Westen und Mitteldeutschland
zu beobachten sei, richtig sein. Für die größeren Güter spricht
dann meines Erachtens in nicht seltenen Fälle eine unrichtige
Behandlung der Arbeiter für die mangelhafte Seßhaftigkeit mit.
Patriarchalische Methoden der Krbeiterbehandlung sind theoretisch
speziell bei dem Menschenbestand des Ostens an sich möglich;
in demselben Moment aber, wo sie nicht mit dem vollen Be
wußtsein pädagogischer Rücksichten, sondern aus althergebrachter
Auffassung und scheinbarer oder wirklicher Nichtachtung des
Menschenmaterials verwendet werden, sind sie mindestens gegenüber
der altansässigen deutschen Bevölkerung heutzutage absolut un
angebracht und wirken direkt als Mittel, die Abwanderung zu