thumbs: Kritische Geschichte der Nationalökonomie und des Socialismus

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Nahrungsproduction als entscheidende Ursache für alle übrigen 
Gestaltungen anzusehen. Indessen sind nicht Alle wirklich 
in diesem Fehler verblieben. Nach Qiiesnay war derjenige, 
welcher sich in dieser Beziehung am gründlichsten irrte, 
kein Anderer als Malthus, und dieselbe ünentwickeltheit 
des Denkens, welche die treibenden und begrenzenden Kräfte 
der Production in der Gunst der Natur und des Grund und 
Bodens sucht, Hess auch die berüchtigte Bevölkerungstheorie 
wirthschaftliche Scheinbarkeit gewinnen. Noch heute findet 
man die Spuren dieser naturwüchsigen Irrthümer in den gang 
barsten Lehrbuchcompilationen, und es ist mit Sicherheit vor 
auszusehen, dass sich diese Vorstellungsart auch dann noch 
wiedererzeugen und hier und da plausibel machen werde, wenn 
die strengere Wissenschaft das Gegentheil mit der grössten 
Deutlichkeit in allen Richtungen bewiesen haben wird. 
5. Die richtige Seite, die zwar in der Quesnayschen Idee 
nicht fertig anzutreffen ist, derselben aber doch abgewonnen 
werden kann, ist der Gedanke an den Unterschied zwischen 
Aufwendung und Erfolg. Beide werden einerseits in Geldwerth 
gedacht und sollen sich andererseits wie Unterhalt und Ueber- 
schuss über denselben aufiassen lassen. In der That besteht 
nun die Productivität oder Ergiebigkeit bei jeder ökonomischen 
und nicht blos bei der landwirthschaftlichen Thätigkeit in dem 
Verhältniss, welches zwischen der Erzeugnissmenge und dem 
hiezu erforderlich gewesenen Aufwand statthat. Die Erzeug 
nisse veranschlagen sich nach den bedürfnissbefriedigenden 
Eigenschaften, während der Aufwand in dem besteht, was zur 
Ueberwindung der Productionshindernisse nöthig ist. Die nach 
den höheren Verrichtungen hin verfügbar gemachte Erzeugniss 
menge ist daher ein Zeichen des Fortschritts und der vollständi 
geren Entwicklung. In einem solchen Sinn ist der Gedanke 
einer Grössendifferenz zwischen dem, was die unterste Stufe 
der Existenz in irgend welchen gegebenen Verhältnissen erfor 
dern würde, und dem, was zu dieser Stufe noch durch Erzie 
lung eines Ueberschusses hinzukommt, ein berechtigter Begriff. 
Jener Ueberschuss verwandelt sich durch Ueberlassung an 
Andere in eine Summe von Gegenleistungen, die das Leben 
veredeln, insofern der Austausch gegen die Erzeugnisse höherer 
Verrichtungen geschieht. Aus letzterer Wendung sieht man 
aber auch zugleich, dass die Berichtigung der Quesnayschen
	        
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