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Über ökonomische Verte
wünschte Existenzen ans Licht kommen könnten, gegen
den sprudelnden Quell neuer Existenzen überhaupt ver
schließen wollten, dann hieße das, das Rind mit
dem Bade ausschütten oder mit anderen Worten alles,
was geboren wird, für minderwertig erklären.
Ein Volk aber, das das herrliche Wort Nietzsches
empfangen hat: „Nicht fort euch zu pflanzen,
sondern hinauf, dazu verhelfe euch der Garten der
Ehe", darf nicht diesen kleinlichen Standpunkt ein
nehmen. Wir müssen die Hoffnung haben, daß die, die
neu in unser Volk hineingeboren werden, in ihrer
Mehrzahl noch in höherem Nlaße, als wir es sind,
leistungs- und bedürfnisfähige Menschen werden, und
diese sollen wir nicht mit Neid betrachten als unnütze
Ülitesser am gedeckten Tische der Natur, sondern mit
Freuden begrüßen, als solche, die wohl mitessen wollen,
die aber auch dafür sorgen werden, daß etwas auf
den Tisch kommt, namentlich dann, wenn wir Riten
ņîcht mehr dafür zu sorgen imstande sind.
Rein theorethisch könnte es scheinen, als ob Mal
thus mit seinen Rnsichten doch zuweilen recht hätte.
Ruf einer eng umgrenzten Fläche, sagen wir in einer
unwirtlichen Gebirgsgegend, oder in einem politisch
streng abgesonderten Gemeinwesen, kann es tatsächlich
Zu viel Menschen geben; aber deren Notlage
entspringt doch nicht aus einem unabänderlichen wirt
schaftlichen Gesetz, sondern aus mangelnder Bewegungs
freiheit oder mangelnder Intelligenz. — Wir dürfen
àoch nicht politische Hemmungen mit Naturgesetzen ver
wechseln, und wenn wir vom „Menschen" reden, so müs
sen wir den kraftvollen, tätigen, intelligenten und
aufstrebenden Typus zum Rusgangspunkte unserer De
duktionen machen, nie den energielosen, dummen und