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Straßen
und Pässe
Klima
aus. Die Halden sind aber auch beständig von Rut
schungen und von der Verwüstung durch Wildbäche be
droht, die bei Regen oder Schneeschmelze mit schlammigen,
dunkeln Fluten aus den tief in den Berg gerissenen
Tobeln hervorbrechen und den offenen Talboden mit
Schutt überführen; hier sind überall Verbauungen nötig
geworden. Für Flußkorrektiouen, Wildbach- und Lawinen
verbauungen hat Graubüuden wie kein anderer Alpen
kanton schon gewaltige Opfer gebracht.
Der Verkehr erreicht von Norden her den Boden
Bündens durch die Quertalpforte unterhalb Chur; über
die Kette der Glarner Alpen hinweg setzen nur wenig
begangene, mühsame Pässe. Durch die Täler und Paß
lücken der Bündner Alpen öffnen sich zahlreiche, zum
Teil von prächtigen Kunststraßen benutzte Übergänge nach
Süden. Vom Gotthard bis zum Septimer leiten sie
direkt in die Täler der Südabdachung über; hier ist
der Splügen als kürzeste Verbindung zwischen Chur
und dem Comersee zu hoher Bedeutung gelangt. Ost
wärts des Septimer münden die Übergänge ins Hoch
tal des Engadin und müssen durch einen zweiten Paß
die Fortsetzung zu den außerschweizerischen Talschaften
am Südfuß der Bündner Alpen suchen. Die Täler an
den Südausgängen des Engadin sind von großer Steil
heit; so senkt sich das Puschlav von der Bernina bis
zur Landesgrenze von 2300 auf 500 m.
Wie in der Bodengestalt, so läßt sich Graubünden
auch klimatisch dem Wallis an die Seite stellen. Die
Gebirgsumrahmung entzieht sowohl der tiefen Mulde
des Rheiugebietes als dem Jnntal die Feuchtigkeit. Chur
hat eine Niederschlagshöhe von 90 cm; an der Maloja
beträgt sie 140 cm, nimmt aber durch das ganze En
gadin hinaus beständig ab und erreicht im Unterengadin
nur noch 70 cm. Die abgeschlossenen Täler haben an
den Windströmungen des Vorlandes nur geringen An
teil ; so ist es denn nicht selten, daß sie auch in der Gesamt-
Witterung eine Ausnahme bilden. Es kommt vor, daß