Während Deutschland in den sechziger Jahren des Produktions
vorigen Jahrhunderts etwa 50 Millionen Mark für aus- deutschen
ländische Farbstoffe zahlte, hat die deutsche Ausfuhr Farben-
an Teerfarbstoffen gegenwärtig die Höhe von 200 Mil- Industrie
lionen Mark erreicht.*) Da dieser Export etwa drei Viertel
bis Vier Fünftel der Oesamtproduktion beträgt, so darf
diese zurzeit auf annähernd 250 Millionen Mark jährlich
geschätzt werden. Hierbei ist die für den Konsumenten
wichtige Tatsache zu berücksichtigen, dass der Durch
schnittskilopreis der synthetischen Farbstoffe in den
letzten 15 Jahren von 4 Mark auf etwa 2 Mark zurück
gegangen ist. Die beiden vorher erwähnten Konzerne
der deutschen Teerfarbenfabriken verfügen gegenwärtig
zusammen über ein Aktienkapital von 162,5 Millionen
Mark und gäben im Jahre 1911 eine Dividende von
42,93 Millionen Mark oder durchschnittlich 25,8 Prozent.
So sehr wir nun diese Erfolge der Teerfarbenindu- Heilmittel
strie und insbesondere ihre wissenschaftlichen Leistungen
bewundern, so ist doch nicht zu verkennen, dass, abge
sehen von ihrer ästhetischen Seite, der farbenfreudigen
Verschönerung des menschlichen Daseins, ihr Nutzen
für die Volkswohlfahrt vorwiegend auf wirtschaftlichem
Gebiete liegt. Aber ihre scharfsinnigen Verfahren und
ihre technischen Hilfsmittel sind bald auf andere Gebiete
*) Nach Position 319, 320 und 321 des Zolltarifs wurden
1912 ausgeführt:
Alizarin (in Pastenform) 11 589 Tonnen für 23,64 Millionen Mark
Indigo „ „ 24 827 „ „ 45,21 „ „
Andere Teerfarben 59 696 „ „ 133,76 „ „
zusammen 96111 Tonnen für 202,61 Millionen Mark
Chem. Ind. 1913, 36, 69.