Nachwort.
ÖO
anderer Sachlage auch nicht in dem Maße wie ganz allgemein das um
fassendere soziale Problem der Ermöglichung des Auf -
stieges des Landarbeiters zum selbständigen Kleinwirt. Wir
sahen, daß sich die agrarischen Zustände beider Länder
vollständig in einem Punkte decken, das ist die Unrät
lichkeit, einen Gutsarbeiterstand in seiner jetzigen
Isoliertheit aufrechtzuerhalten, der etwa in gleicher
Weise vom sozialen Aufstieg abgeschnitten bleibt, wie der Industrie
arbeiter es infolge der absosuten wirtschaftlichen Überlegenheit des groß
kapitalistischen Betriebes heutzutage ist. Für Beseitigung dieser Kluft gibt
es in beiden Ländern gleich gute Gründe, und diese mit großer Schärfe
herausgekehrt zu haben, ist das unbestreitbare Verdienst des Kommissions
berichtes. Wie oft haben wir nicht gelesen, daß lediglich die Reize der
Großstadt den Landarbeiter anziehen, wie selten dagegen aber, daß auf
dem Lande auch abstoßende Elemente am Werke sind, und das bei
weitem stärkste von allen ist die Aussichtslosigkeit für die
Zukunft. Wer auf dem Lande und mit dem Lande lebt, glaubt ein
angeborenes Anrecht auf ein wenn auch nur kleines Stückchen davon
zn haben — ob die menschliche Gesellschaft klug und gut darin handelt,
ihn zu enttäuschen, ist doch sehr fraglich.
Wenn man unsere Versammlungen, unsere Zeitungen, unsere
volkswirtschaftliche Literatur durchgeht, so kann man nur freudig
gestimmt werden durch den überall herausklingenden Eifer für die
innere Kolonisation und neuerdings auch für deren Unterabteilung: die
Arbeiteransiedlung. Sei es aber, daß nicht alle Lober es ehrlich
meinen, sei es, daß es uns an Tatkraft, das ehrlich Gemeinte in die
Wirklichkeit zu übersetzen, gebricht: die Verwirklichung hinkt in betrüb
lichem Maße hinter der Überzeugung von der Nützlichkeit her. Referent
sieht es hier nicht als seine Aufgabe an, dies zahlenmäßig darzulegen,
vielmehr wollte er das englische Beispiel und den Umstand, daß von
der derzeitigen englischen Regierung wohl auch in Kürze Taten zu er
warten sind, nur als Ansporn für uns hinstellen, die nächsten Jahre
in einem anderen Tempo für die Ansiedlung von Land
arbeitern (und Kleinbauern) zu benützen.
Nur um nicht das ganze gewaltige Gebiet der inneren Koloni
sation zu betreten, vermeide ich es, auf die Klein bauern
sied lung näher einzugehen; möchte aus dieser Versäuninis nicht
gefolgert werden, daß ich diese in ihrer Wichtigkeit unterschätzte oder