Full text : Die Schweiz

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feine  Musseline  anzufertigen  und  zu  besticken.  Zur
gleichen  Zeit  verschafften  Hugenotten  der  Musselinefabrikation ­
  -auch  in  Zürich  Eingang,  wo'man  schon  lange
Baumwolle  verarbeitet  hatte.  Auch  die  Bewohner  des
Glarnerlandes  begannen  damals  für  die  Geschäftshäuser
von  St.  Gallen  und  Zürich  Baumwolle  zu  spinnen,  zu
weben  und  zu  bedrucken.  Anfänglich  war  das  Spinnen
und  Weben  der  Baumwolle  Handarbeit.  Zu  Beginn  des
19.  Jahrhunderts  begann  die  Konkurrenz  des  englischen
Maschinengarns  und  der  maschinengewobenen  Tücher.
Sie  wurde  so  drückend,  daß  auch  in  der  Schweiz  die
Spiunmaschine  und  der  mechanische  Webstuhl  die  ursprüngliche ­
  Arbeitsweise  ganz  verdrängten.  Mit  dem
mechanischen  Betrieb  vermochte  die  ostschweizerische  Baumwollindustrie
  den  Rang  im  Wettbewerb  init  dein  Ausland
zu  behaupten.  Um  die  Mitte  des  letzten  Jahrhunderts
kam  eine  Reihe  der  besten  Geschäftsjahre.  Später  trat
infolge  wachsender  Konkurrenz  und  der  Zollerhöhungen
einzelner  Absatzgebiete  ein  Rückschlag  ein,  obwohl  die
Fabrikanten  bemüht  waren,  durch  die  Aufnahme  besonderer, ­
  vom  Ausland  vernachlässigter  Zweige  des  Baumwollfaches
  den  Niedergang  aufzuhalten.
Heute  umfaßt  das  Gebiet  der  Spinnerei  und  Weberei  Industriegebiet
die  Kantone  St.  Gallen,  Appenzell  A.-Rh.,  Thurgau  und
Glarus,  das  Zürcher  Oberland,  und  reicht  der  Aare
entlang  bis  in  den  bernischen  Oberaargau  hinauf.  Die
Hausindustrie  von  Appenzell  A.-Rh.  fertigt  Plattstichgewebe
  an.  Die  Glarner  Fabrikanten  betrieben  Jahrzehnte ­
  hindurch  mit  bestem  Erfolg  das  Färben  und  Bedrucken ­
  der  Baumwollstoffe.  Sie  lieferten  Tücher  in
bunten  Farben  nach  den  südeurvpäischen  Ländern,  Schleier
und  Kopftücher  (Türkenkappen)  nach  dem  Balkan  und
Vorderasien,  Sarongs,  die  Kleidung  für  die  Eingebornen,
nach  Java  und  Sumatra.  Eine  Glarner  Spezialität
sind  auch  die  „Nouclwirs",  für  die  im  Lande  selbst
noch  vielfach  die  Bezeichnung  „Fazzenettli"  gebraucht
wird  (nach  dem  italienischen  fazzoletto  =  Taschentuch).
            
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