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Ist doch uns goldreichen Europäern selber das Weltporto schon
viel zu kostspielig geworden, sodass wir uns mit der Gründung
von Nachbar-, Kolonial- und Uebersee-Postvereinen zu helfen
suchten und ein internationales Pennyporto wenigstens teilweise
für eine 'Anzahl unserer Verkehrsbeziehungen schon geschaffen
haben. Der Chinese mit dem sehr viel geringeren Durchschnitts
einkommen in entwertetem Silber ist gegen die hohe Weltporto
ausgabe aber noch viel empfindlicher.
Auch China hat daher — freilich, o AVunder des Schicksals,
ohne sein Zutun! — seine Sonderpostvereine mit benachbarten
und fernen Ländern bekommen. Aber was wir noch erst an
streben, einen weltumfassenden Pennyporto-Verein, das ist dort
schon nahezu erfüllt.
Wir haben bestenfalls einzelne Sonderpostvereine grossen
Stils, Kolonialpostunionen und Ueberseepostvereine, China aber
hat bereits seinen eigenen AVeltpostverein, einen Sonder-
Weltpostverein mit dem Pennyporto oder Inlandsporto
der ihm angeschlossenen Länder als Posttaxe.
Ich nenne diesen chinesischen Verein, der vom Reich der
Mitte als Mitielpunkt, als „Nabel der Welt“, wie es vom Orakel
zu Delphi hiess, ausstrahlt und die wichtigsten und grössten
Reiche der Erde umfasst, einen AVeltpostverein, einmal wegen
seiner ungeheuren Grösse und dann, weil er sich auf alle fünf
Weltteile erstreckt. Der „Allgemeine Postvereiu“ von 1874
erhielt ja ‘auch 1878, als er sich in alle Weltteile ausgedehnt
hatte, den Namen „AVeltpostverein“.
Auch der chinesische Sonderpostverein ist in dem Sinne
ein AVeltpostverein, ein einheitliches Verkehrsgebiet für die
Beziehungen nach und von China, wenn auch die von da aus
strahlenden Anschlussländer untereinander nur zum kleinen Teil
das Inlandsporto gegenseitig anwenden.
Die nachstehende statistische Uebersicht, die eigentlich noch
in die Tafel V des vorigen Kapitels (S. 52) unter die Uebersee
postvereine ferner selbständiger Länder gehört, gibt ein anschau
liches Bild darüber, mit welchen Ländergebieten das chinesische
Reich im Postvereinsverhältnis steht.