Die deutsche Ostafrikalinie dürfte an Postporto wohl
nur knapp ein Viertel dessen einbringen, was die Subvention
jährlich kostet. Japan zahlt für die subventionierte Linie bis
Australien fast eine Million Mark jährlich, sein Briefverkehr
nach Australien beträgt aber (1906) nur etwa 220 000 Briefpost
sendungen (darunter etwa 120 000 Briefe), die vielleicht
30—40 000 M jährlich an Porto einbringen.
Wenn man keine eigenen subventionierten Linien benutzen
kann, so benutzt man fremde Schiffsposten und zahlt die tarif-
massigen Seetransitgebühren. Dem Wesen nach ist beiden
also gemeinsam, dass sie allgemeine Betriebsausgaben des See
postverkehrs ' darstellen. Da die Länder gegenseitig ihre Be
förderungslinien benutzen, so wird natürlich oft durch Dienste
und Gegendienste ein gewisser Ausgleich geschaffen und nur der
Rest ist als Barausgabe anzusehen (Privatschiffe ausgenommen).
Postdampferlinie (Würmannlinie) nach Ostafrika und Südafrika erhielt nach
der Reichstagsvorlage vom 6. April 1900 (Nr. 702 der damaligen Reichstags-
drncksachen, vgl. S. 31, 44, 46 und 88 f.) bei erweiterten Fahrten eine auf
1 300 000 M jährlich erhöhte Subvention (für 15 Jahre). Dafür muss sie
die deutsche Post befördern, doch alle Einnahmen aus der Postbeförderung
dem Reich überlassen, während Frachteinnahmen und Personenfahrgelder
dem Unternehmer verbleiben. Nun lässt sich aus der Poststatistik für 1898
(S. 88 ff. der Vorlage) berechnen, dass die gesamten Posteinnahmen der
subventionierten Linie kaum viel mehr als 150 000 M betragen haben
können, während die Subvention 900 000 M jährlich ausmachte. Bei dem
billigen Kolonialporto seit Mai 1899 wurden die Posteinnahmen aber bald
noch geringer. Doch darf man nicht übersehen, dass die Güterbeförderung
(dem Werte nach) auf dieser subventionierten Ostafrikalinie 1898 bei der
Ausreise schon auf 8 Mül. Mark deutscher xrnd 10,9 Mill. Mark ausländischer
Güter, bei der Heimreise aber auf 11 Mill. Mark deutscher und 9,1 Mill.
Mark fremder Güter gestiegen war und dass von diesen Güterwerten ein
beträchtlicher Teil ins Reich eingeführt wurde imd ihm Zolleinnahmeu
verschaffte, den deutschen Staatsbahnen aber Frachteiunahmen,
so dass also die Subventionsausgabe trotz der geringen Post-Porto
einnahme vielleicht indirekt ziemlich gedeckt wurde.
Die Zolleinnahmen der deutschen Reichskasse machen im all
gemeinen Durchschnitt 18% der verzollten Warenwerte und 8% der
gesamten deutschen Einfuhrwerte aus:
Frankreich hat (bis 1905) in den letzten 25 Jahren 650 Mill.
Franken an Subventionen und 434 Millionen an Bau-, Fahrt- und Aus
rüstungsprämien, zusammen also 1084 Mill. Franken ausgegeben, aller
dings wesentlich auch zum Ziele der Hebung seiner Handelsmarine.