Full text : Weltporto-Reform

sowie  Paket-  und  Mensckenbeförderung  erst  durch  Nachrichten ­
  und  Briefe  veranlasst?  Wird  die  Kauflust  und  Unternehmungslust ­
  nicht  durch  versandte  Drucksachen  und  Inserate, ­
  die  zur  Korrespondenz  führen,  erst  angeregt?
Einige  Beispiele  nur  zur  Veranschaulichung!  Die  Vereinigten ­
  Staaten  von  Nordamerika  (84  Millionen  Einwohner)
weisen  (1906/07)  in  ihrem  Staatshaushalt  eine  Zolleimiahme
von  332,23  Millionen  Dollar  (1399,3  Millionen  Mark)  auf;  ihre
haben,  während  der  andere  Teil  der  Einnahme  auf  den  internationalen  und
den  Durchgangsverkehr  (etwa  20  Millionen  Depeschen)  fiel.
Es  lässt  sich  nun  absohätzen,  dass  bei  einem  Defizit  von  17  Millionen
Mark,  auf  den  Inlands  verkehr  verrechnet,  jode  Depesche  etwa  57  Pf.  Zuschuss ­
  erforderte,  also  66 2 / 3  -f-  57  Pf.  oder  123%  Pf.  Selbstkosten  verursachte. ­
  Auch  bei  Mitrechnung  des  internationalen  Verkehrs  würde  der
Zuschuss  noch  über  30  Pf.  auf  jede  Depesche  ausmachen,  da  im
ganzen  51,06  Millionen  Telegramme  aller  Art  gezählt  wurden.
Ist  es  nun  nicht  geradezu  komisch,  wenn  angesichts  solcher  Tatsachen
aus  einer  nur  wenig  kostenden  Ermässigung  der  Weltportosätze  bis  auf
die  inneren  Taxen  soviel  Wesens  gemacht  wird?
Auf  dem  flachen  Lande  arbeitet  die  Post  mit  ungeheuren
Zuschüssen,  die  vielleicht  100  Millionen  Mark  oder  viel  mehr
ausmachen;  in  der  Telegraphie  arbeitet  sie  mit  einem  Defizit
von  17  Millionen.  In  diesen  Fällen  sagt  man  immer:  das  macht  nichts;
das  ist  nötig  so;  man  muss  diese  Unterbilanzen  in  den  einzelnen  Gegenden
oder  Dienstzweigen  ausser  acht  lassen  und  sie  zu  den  Gesamtunkosten  des
Postdienstes  rechnen,  der  trotzdem  im  ganzen  immer  noch  grosse  Überschüsse ­
  ab  wirft.  Sehr  schön!
Wenn  aber  beim  internationalen  Briefverkehr,  besonders  beim  überseeischen ­
  Verkehr,  der  nur  einen  ganz  kleinen  Bruchteil  des  Gesamt  Verkehrs
axismacht,  Zuschüsse  erforderlich  sind,  dann  fängt  man  plötzlich  an,  mit
ganz  anderem  Masse  zu  messen  und  behauptet,  hier  müsse  das  Porto
durchaus  die  Selbstkosten  oder  die  Transitkosten  decken.  Und  diese  Gründe
führt  man  auch  gegen  das  Welt-Pennyporto  ins  Feld.  So  tut  man  in  vielen
Ländern.  Eine  solche  doppelte  Logik  und  Gerechtigkeit  für  ln-  und  Auslandsverkehr ­
  ist  aber  unhaltbar.
Auch  beim  Fernsprecher  werden  von  der  deutschen  Reichspostverwaltung
  Unterbilanzen  auf  dem  flachen  Lande  festgestellt.  Trotzdem
ist  man  bereit,  hier  den  Tarif  noch  weiter  zu  ermässigen.  Der  Entwurf
der  neuen  Fernsprechgebühren-Ofdnung  von  1909  (Nr.  1176  der
Peichstagsdrucksachen)  führt  an  (S.  10),  dass  im  Reichspostgebiet  das
Telephonkapital  von  510  Millionen  Mark  sich  nach  Amortisation  usw.  noch
mit  3V a %  verzinse  und  dazu  noch  10  Millionen  Mark  Überschuss  auf  weise
also  insgesamt  die  hübsche  Pente  von  5%%  abwirft.  Doch  seien  die
            
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