Full text: Weltporto-Reform

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Postpaketdienstes teilweise dabei mit, ebenso das Pehlen der 
Telegraphie. Aber oft liegt es auch umgekehrt. In den Ver 
einigten Staaten z. B. hat die Post mit der Telegraphie 
nichts zu tun und es fehlt ihr ein innerer Paketdienst. Trotz 
dem herrscht da ein ungeheures Defizit. Meist sind Telegraphie 
und Post aber vereinigt. 
Manche Länder mit grosser Dichtigkeit der Postanstalten 
und des Verkehrs, wo der unrentable Ausbau des Landdienstes 
im wesentlichen schon vollendet ist, weisen hohe Ueberschüsse 
auf, haben aber zugleich sehr billige Tarife, z. B. Belgien, wo 
allerdings der Paketdienst hauptsächlich durch die Eisenbahnen 
betrieben wird. 
Ich will nun aus der besonders zu beachtenden unten 
stehenden Zalilentafel (S. 112 und 113) einige Tatsachen (1906) 
hervorheben. Die Türkei wirtschaftet in ihrem wenig entwickelten 
Postwesen mit dem ungeheuerlich hohen Uehersclmsse von 77 °/o 
der Einnahmen, Spanien mit 67 °/o, Belgien mit 49 °/o, 
so dass also die Post, allein, betrachtet, ohne die Telegraphie, eine noch sehr 
viel höhere Verzinsung’ ergeben würde (etwa 25—30 v. H.; 1905). 
In einem Artikel der „Frankfurter Zeitung“ (1906, Nr. 68 vom lO.März), 
„Anlagekapital und Verzinsung der Reichspost“, berechnete ich die 
Postkapitalrente auf mehr als 12% und seihst nach Abzug der einmaligen 
Ausgaben und der Eisenbahiirechnung noch auf über 7 %. 1905 betrug das 
Postkapital 652Va Millionen Mark (davon kamen 230 auf die Post, 143 auf 
die Telegraphie und 279 auf das Fernsprech wesen, das jetzt, 1908/09, auf 
ein Kapital von 540 Millionen Mark angewachsen ist, das ausser einem 
Zins von S'/a % noch 10,7 Millionen Mark Überschuss ergibt, also 5 l /a % 
Rente). Die elsass-lothringisohen Reichseisenbahnen aber konnten ihr Kapital 
von 638 Millionen Mark (1903) nur mit 4,35% verzinsen. Bei Berücksichti 
gung des Umstandes, dass das Defizit der Telegraphie von der Post 
getragen wird, und bei Anrechnung dieses Verlustes als Gewinn bei der 
Post würde diese sogar eine Rente von etwa 25% auf weisen. Eine „glänzende“ 
Verzinsung der Deutschen Reichspost wird auch in dem Buche des Ober- 
postpraktikanten Dr. Paul Ullrich „Die Finanzen der Reichspost- und Tele 
graphen-Verwaltung“ (Stettin 1909) für die Zeit bis Ende 1906 (D. Vk.-Ztg. 
1909, 265) nachgewiesen. 
Die Gehaltserhöhungen von 1909 werden ja natürlich auch die Post 
erträge für eine Weile mindern, doch kaum lange au der günstigen 
Entwickelung viel ändern. Die Porto Verteuerungen (Ortsporto- 
erhühung, Zeitungsheilagen), die Fahrkartensteuer u. dergl. haben 
zweifellos auch zur Verringerung des Postverkehrs beigetragen und tun es 
in Zeiten der Geldknappheit in verstärktem Masse.
	        
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