574 VIII. Der Untergang der mittelalterlichen Stadtwirtschaft
behaupten; sogar um Laufe des 18. findet mehx eine Minderung
des Imports als eine Steigerung des Exports statt. Immerhin
soll zugegeben werden, daß in diesem wenigstens innerhalb der
großen deutschen Staaten der Austausch lebendiger wird. Ein
Zug zu größerer Konzentration im Verkehr tritt schon seit dem
Beginn der Neuzeit hervor!). Doch darf man sich den Unter-
schied zwischen dem Mittelalter einerseits und dem 16. und 17.,
auch 18. Jahrhundert andererseits nicht zu groß vorstellen. Wenn
Schmoller mit Recht hervorhebt, daß das Befahren der Messe
durch den Weber selbst seltener wurde, so ist es doch auch wieder
notwendig zu betonen, daß der Besuch entfernter Märkte durch
den Handwerker keineswegs aufgehört hat. Sogar in Württem-
berg, troß der Privilegien der Kalwer Zeughandlungskompagnie,
bringt der Handwerker teilweise selbst auf entferntere Messen
sein Produkt zum Verkauf?). Umgekehrt sind auch im Mittel-
alter nicht aule einzelnen Handwerksmeister selbst auf die Märkte
gezogen, haben nicht alle ihre Produkte selbst verkauft. Ein
gewisser Spielraum stand bereits damals dem Zwischenhändler
freis). Jedenfalls sind in bezug auf jenen „großen Schritt
der Arbeitsteilung“ das 16. und das 17. Jahrhundert nur wenig
und das 18. noch nicht gerade sehr viel über das Mittelalter
hinausgegangen4).
) Über eine in dieser Hinsicht bemerkenswerte Tatsache vgl. oben
S. 3625.
2) Tröltsch, S. 29.
3) Es sei an die Tätigkeit erinnert, die der Hamburger Gewand-
schneider Vicko von Geldersen im Zwischenhandel entfaltet hat. S.
S..350 ff.
z. 4) :!: Gegenstück zu Schmollers Urteil über das 16. Jahrhundert
vgl. man Geerings Schilderung der Baseler Verhältnisse: (Handel und
Industrie der Stadt Basel, S. 396 f.): „Noch zur Zeit der Reforma-
tion präsentiert sich uns das Zunfthandwerk in seiner höchsten Kraft
und Lebensfülle. Und der Sieg des Kleinbetriebsprinzips, der dem
Handwerk die bequemsten denkbaren Vorbedingungen schuf, konnte
nicht anders als es wenigstens zeitweilig heben. . .. In Basel dauert
die Blüte des Handwerks etwa bis 1650.“ Betreffs der spätern Zeit
sei die Ansicht von W. Tröltsch (s. oben S. 563 Anm. 2) angeführt,
daß Berlin nach den Stürmen der Napoleonischen Kriege, die der