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Statt der erhofften 46 Millionen bringt die Fahrkarten
steuer im zweiten Jahre nur ItF/a und im dritten Jahre des
nahmeausfall von 22 bis 24 Millionen haben würden; 5 Millionen rechnete
er auf die Abwanderung in tiefere Wagenklassen (S. 26 des Berichts).
Im Reichstagsplenum wurde jedoch eine ganz andere Eahrkarten-
steuer improvisiert und zum Beschluss erhoben, nämlich für. Fahrkarten
von 60 Pf. an in 8 Stufen für die drei oberen Wagenklassen Stempel
beträge von 5, 10 und 20 Pf. bis zu 2, 4 und 8 M, wodurch Fahrgeld-
aufschläge bis zu B3 1 / 3 °/ 0 stattfinden (vgl. No. 470 der Reichstagsdruok-
saohen 1905/0).
Merkwürdigerweise wurde dieser in seinen Taxsätzen höchst wunder
liche und dilettantische Antrag von der Reichsregierung zum Gesetz erhoben.
Am 1. August 1906 trat er im innern deutschen Verkehr, am 1. Oktober 1906
auch im Verkehr mit dem Auslände in Kraft.
Im E.eichshaushaltsetat für das Rechnungsjahr 1907 (Anlage XVII,
S. 12) wurde der Ertrag der Reichs-Fahrkartensteuer als Roh-Soll-
einnahme mit 46 000 000 M eingestellt, und der Reinertrag — nach
Abzug von 2 °/ 0 Erhebungskosten — auf 45 080 000 M festgesetzt, gemäss
den Veranschlagungen vom Frühjahr 1906, wie die Randbemerkung im
Etat besagt.
Die Eoh-Solleinnahme für Juli (sic!) und August 1906 betrug nur
91 215 M. [Im August und September 1906 waren es tatsächlich 1 771 316 M].
Im Etat für 1908 (Anlage XVII, S. 12) heisst es zunächst: „Die Roh-Soll-
einnahme hat betragen“ für September 1906 bis März 1907; 11 712 381 M,
für April bis August 1907: 7 425 602 M, im Durchschnitt jährlich
19 137 983 M. Eine Randbemerkung aber sagt, jene Einnahmeangabe vom
April bis August 1907 umfasse im wesentlichen nur die Einnahmen der
Monate April bis Juni sowie Abschlagszahlungen für den Juli „Danach
dürfte auf eine Gesamt-Solleinnahme von 21 000 000 M mit einiger
Sicherheit zu rechnen sein“ Demnach sind im Etat für 1908
24 000 000 M brutto und 23 520 000 M netto eingestellt worden.
Also nur etwa die Hälfte des optimistischen Anschlages vom
Frühjahr 1906 (46 Milk Mark).
Die Rein-Einkünfte für 1906, wo diese Steuer am 1. August in Kraft
trat, waren sehr gering. Der Schatzsekretär Freiherr v. Stengel sagte in
seiner Finanzrede am 28. November 1.907 im Reichstage (vom Jahr 1906):
„Die grösste Enttäuschung brachte dabei die Fahrkartensteuer
(hört,.hört!) mit einem Ausfall von 12Va Milk Mark.“
Zum Jahr 1907 bemerkte er: „Die Fahrkarten Steuer hat von vornherein
namentlich aber seit der Personentarifreform im Frühjahr d. J. (1. Mai 1907),
nicht die davon erwarteten Einnahmen gebracht. Auch von dem ermässigten
Betrage von rund 30 Milk Mark, welche die Budgetkommission des
Reichstags für 1907 eingestellt hat, werden, soweit sich das heute übersehen