Full text : Weltporto-Reform

131

9*

3  Millionen,  ein  so  winziges  Sümmchen  in  einem  Reichs-Etat
von  2865  Millionen,  dass  es  die  ganze  Schererei  und  das  Odium

Nun  sollte  die  Fahrpreisreform  vom  1.  Mai  1907  nach  den  amtlichen ­
  Berechnungen  (vgl.  Nr.  111—  Kommissionshericht  —  der  Drucksachen
des  preussischen  Abgeordnetenhauses  von  1907,  S.  25  und  31)  ja  einen
Ausfall  von  6Va  Millionen  Mark  zur  Folge  haben  (nämlich  Mehreinnahmen ­
  ans  Zuschlags-Schnellzügen  4  und  aus  dem  Gepäck  3 1 / 2  Millionen,
und  Mindereinnahmen  aus  der  Ermässigung  auf  den  Rückfahrkartenpreis
14  Millionen).
Das  Gepäck  hat  aber  —  das  ist  lehrreich  —  dank  der  Abwanderung
in  die  IV.  Klasse,  in  die  man  es  umsonst  mit  hineinnimmt,  und  dank  der
abschreckend  hohen  sprungweisen  Gebührenzunahme  hei  kleinen  Gewiohtsoder
  Zonentibersohreitungen,  im  Jahre  1907  (in  11  Monaten  unter  dem  neuen
Tarif)  nur  2  428  791  M  (bei  12  Monaten  2  631  000  M)  mehr  eingebracht
als  vorher.  Das  waren  allerdings  um  20,48%  mehr  als  1906,  aber  doch
nicht  J'/a  Millionen  mehr,  wie  vorausherechnet.  Die  völlige  Aufhebung
des  alten  Freigepäcks  hat  eben  verkehrshemmend  gewirkt,  trotz  der  sonstigen
Tarifverbilligung  der  Gepäckfracht  (früher  für  Übergewicht  0,5  Pf.  für  10  kg
pro  km).  Man  hat  weniger  Gepäck  aufgegeben.
Demnach  müsste  der  rechnerische  Gesamtausfall  der  Fahrpreisreform ­
  6V2  -f-  1  =  7Vj  Millionen  ausmachen,  wenn  die  Fahrpreisverbilligungen ­
  gar  keine  Verkehresteigerung  schufen.  Stellenweise  mag  das
schon  der  Fall  gewesen  sein.  Doch  nun  kam  die  Fahrkartensteuer
auf  der  andern  Seite,  nur  ein  anderer  Name  für  eine  Tariferhöhung,  dazu
die  vermehrten  Schnellzugszusohläge  und  dieFreigepäckentziehung;
ausserdem  setzte  gegen  Ende  1907  eine  Geldteuerung  und  industrielle  Wirtschaftskrise ­
  ein,  die  dem  Verkehr  weiter  nicht  günstig  war,  zumal  nach  den
vielfachen  Fahrpreiserhöhungen.  Eine  Reise  von  500  km  im  Schnellzuge
mit  25  kg  Gepäck  kostete  früher  (unter  dem  unbesteuerten  Rnokfahrtpreise
mit  Freigepäck)  30  M,  jetzt  aber  (mit  der  Steuer)  41,60  M  (=  28%  mehr),
II.  Kl.  früher  22,50,  jetzt  26,70  M  und  III.  Kl.  15  M,  jetzt  17,40  M.
Die  Verbilligung  für  die  Reisen  ohne  Gepäck  in  langsameren  Zügen
mag  ja  wohl  auch  Verkehrszunahmen  geschaffen  haben,  doch  die  Fahrkartensteuer ­
  allein  und  dann  noch  die  Preiserhöhungen  für  andere  Reisen  haben
wieder  hemmend  gewirkt  oder  Abwanderungen  nach  unten  veranlasst.  Ein
wirklicher  tatsächlicher  Ausfall  —  er  sollte  6%  Millionen  betragen  —  ist  ja
allerdings  nicht  entstanden,  wohl  aber  hat  sich  ein  bedeutend  kleinerer
Verkehrsznwaohs  eingestellt  als  sonst  (nur  12  statt  33  Millionen  Mark),  was
also  insofern  einen  Verlust  von  21  Millionen,  hauptsächlich  infolge
von  Fahrkartensteuer  und  Tariferhöhungen,  bedeutet.  Nahm  doch
in  der  auch  im  Tarif  verteuerten  I.  Klasse  der  Verkehr  (die  Fahrten)  im
Jahre  1907  gegenüber  dem  Jahre  1905  nm  28,5%,  die  Einnahme  um  8,3%
ab.  Bei  regelmässig  fortgeschrittener  Steigerung  seit  1905  wäre
die  Einnahme  um  i l /. 2  bis  5  Millionen  grösser  gewesen,  ln  der
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.