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Es ist äusserst lehrreich, solche Tariferhöhungen, ihre
anfänglichen Ertragsschätznngen und die schliesslichen Ergeb
nisse, die Wirkungen auf Einnahmen und Verkehr später genau
fielen 2,7 0 0 aller Reisen (und 31,7 % der Einnahmen) auf die Fahrten von
201 bis 1000 km und 0,1% (3 °/ 0 ) auf solche von 1001 bis 1500 km.
1907 wurden nun 1295 Millionen Reisen oder Fahrten in Deutschland
gemacht, 2,8 % davon würden 36 Millionen Fahrten von über 200 km Länge
ergeben. Die Reiclisauteilsteuer am Fernverkehr könnte nach Entfernungen
und Klassen abgestuft, müsste aber im übrigen nur massig sein, und wenn
der Fernverkehr wesentlich verbilligt würde, so würde sie dem Publikum
überhaupt garnicht fühlbar werden. Schon eine Verdoppelung des
Fernverkehrs würde aber zu beachtenswerten Erträgen führen, die mit
der Zeit immer ergiebiger würden. Nähere Vorschläge hierzu behalte ich
mir für den Fall, dass sie ein allgemeineres Interesse fänden, vor.
3 ) Diese Automobils teuer, der riesig hohe Eeichsstempel auf
„Erlaubniskarten für Kraftfahrzeuge“ ist ein höchst unglücklicher, schädlicher
und finanziell ganz unlohnender Eingriff in den Verkehr und in die Ent
wickelung einer blutjungen, aufstrebenden Industrie, die damit einseitig,
ungerecht und schikanös bedrückt wurde. Die Abwanderungen aus der
I. Eisenbahnklasse nach unten hin wegen der Fahrkartensteuer und der
Tariferhöhung (von 6 auf 7 Pf. für 1 km) beweisen schon, dass selbst reichen
Leuten nicht zuviel zugemutet werden darf. Wenn aber die Automobil
fahrten mit kostspieligen Chauffeuren und grossem Benzinverbrauch ohne
hin schon viel teurer zu stehen kommen, als Eisenbahnfahrten I. Klasse,
wie soll da eine jährliche Extrasteuer, die z. B. bei Kraftwagen mit
60 Pferdekräften 750 Mark ausmacht, nicht auch hemmend und verärgernd
wirken?
Die Einnahmen von der Automobilsteuer wurden s. Z. für das
Rechnungsjahr 1906 (Juli 1906 bis Ende März 1907) auf 2 Millionen und
im Beharmngszustand auf 3 Millionen jährlich geschätzt (vgl. den
Reichstagskommissionsbericht von 1906, Nr. 388 der Reichstagsdrucksachen
der II. Session 1905/08, S. 70 und 72).
Der Reichshaushaltsetat für 1907 stellte dementsprechend als Jahres
ertrag der Roh-Solleinnahme 3 000 000 M ein, nach Abzug der Erhebungs
kosten aber 2 940 000 M. Im Juli und August 1906 betrug die Roh-Soll
einnahme 802 795 M, vom September 1906 bis März 1907: 405 033 M.
Das ganze Rechnungsjahr 1907 ergab bloss eine Roh-Soll
einnahme von 1 599 255 M (statt 3 Millionen).
Im Etat für 1908 war man vorsichtiger und stellte nur 2 000 000 roh
und 1 960 000 rein ein. Der tatsächliche Betrag belief sich aber auch nur
auf 1 891 840 M roh und 1 854 003 M rein (Voss. Ztg. 1909, 25. April, nach
dem „Centralbl. f. d. Deutsche Reich“). Im Etat für 1909 sind nun hoch
vorsichtiger bloss 1 600 000 M roh und 1 568 000 M rein angesetzt! Tant de
peine pour une Omelette! möchte man da sagen.