Full text: Weltporto-Reform

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Inlancle angeregt, als Geschäftsmann aber noch viel mehr. Da 
durch wirkt der erleichterte und steigende Auslandsverkehr auch 
steigernd auf den Inlandsverkehr und die Posteinnahmen. 
Aber auch der auswärtige Handel bedarf der 
Förderung durch Erleichterungen des Nachrichten 
verkehrs. Am 1. März 1906 trat der vielfach stark erhöhte 
neue deutsche Zolltarif in Kraft, von dem man sich in der 
ihn vorberatenden Heichstagskommission einen künftigen Mehr 
ertrag von rund 75 Millionen herausrechnete. 
Aber wiederum hat man hier die prohibitive Wirkung, 
erhöhter Tarife doch vielfach übersehen. Der wirkliche Zollertrag 
stellte sich folgendermassen. 1904: 489,86 Milk Mark; 1905: 
625,84 Millionen; 1906 aber nur 557 Millionen Mark (Etatssoli 
560,70 Millionen) trotz der allgemeinen Hochkonjunktur; 1907: 
644,7 Millionen und 1908 gar nur 541,14 Milk Mark (statt des 
Etatsanschlages von 666,97 Millionen), also noch weniger als 
4 Jahre vorher. 
Eine Erleichterung des Weltbriefverkehrs zur 
Förderung des AVelthandels und damit auch der Zoll 
erträge erscheint da nur am Platze, zumal da die vom 
Ausland eingegangenen Waren dann ja wieder den Inlandsver 
kehr zu steigern geeignet sind. In Zeiten wirtschaftlichen 
Druckes und stockenden Geschäftsgangs, grösserer 
Arbeitslosigkeit und Geldknappheit ist eine Verbilligung 
des Nachrichtenwesens immer besonders dringlich, wie 
bereits gesagt. 
Man befürchtet nun Einnahmeausfälle aus einer Weltporto 
verbilligung. Gewiss, einige Ausfälle mögen in der ersten Zeit 
entstehen. Aber sie sind häufig nur halb so gross, wie die 
theoretische Berechnung, weil die Verbilligung zu Verkehrs 
steigerungen führt, die oft in wenigen Jahren den Ausfall 
völlig wettmachen. Mag sein, dass bisweilen die jährlich ohnehin 
meist steigenden Verkehrseinnahmen, für einen gewissen Zeitraum 
zusammengerechnet, etwas grösser gewesen wären, als die Ein 
nahmen nach einer Porto Verbilligung mit nachfolgender gesteigerter 
Verkehrszunahme. Aber oft führt letztere doch zu bedeutenden 
Mehreinnahmen gegen früher, und noch viel wichtiger ist es, dass
	        
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