Full text : Weltporto-Reform

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dreizonigen  Portos  von  10,  20  und  30  Pf.)  brachte  der  Norddeutschen ­
  Bundespost  einen  Ausfall  von  1  700  000  Talern 3 ),  da
die  Briefzahl  damals  zunächst  nur  um  6—7  °/o  stieg.  Aber  bei
der  heutigen  Entwicklung  würde  eine  solche  Reform  sicherlich
ganz  anders  wirken.
Auch  in  England,  Nordamerika  und  Australien  ist  der
Verkehr  äusserst  dicht  und  der  Briefverkehr  verhältnismässig
noch  viel  grösser  als  in  Deutschland.
Hier  handelt  es  sich  nun  darum,  ungefähr  abzuschätzen, ­
  wie  stark  der  internationale  Brief  verkehr
durch  eine  Ermässigung  des  Portos  von  25  auf  10  Centimes ­
  oder  von  20  auf  10  Pfennige  steigen  würde.  Da
dürften  die  Verhältnisse  in  den  verschiedenen  Ländern  natürlich
sehr  verschieden  liegen.  Aber  wir  können  doch  aus  einer

belaufen,  sodass  der  Ausfall  für  1  Jahr  37,7  Mül.  Fr.  erreichen  würde
(Deutsche  Verkehrs-Zeitung  1907  vom  12.  Juli,  Nr.  28,  S.  368).
Etwa  ein  Jahr  später  standen  die  Aussichten  aber  noch  viel  viel
günstiger,  wie  die  „Deutsche  Verkehrs-Zeitung“  am  24.  Januar  1908  (Nr.  4,
S.  38)  berichtete.  Im  April  1907.  nach  einjähriger  Wirksamkeit  des  10  C.-Portos,
  belief  sich  der  wirkliche  Ausfall  der  französischen  Postverwaltung
nur  auf  23  Mül.  Fr.  (statt  00  oder  37),  und  „neuerdings  soll  feststehen“,
hiess  es  weiter,  „dass  die  Einnahmen  der  Postverwaltung'  aus  der  Briefpost
kaum  noch  hinter  denen  der  Jahre  1904  und  1905  Zurückbleiben“,  während
mau  früher  erst  nach  22  oder  nach  10  Jahren  auf  eine  Deckung  des  Ausfalls ­
  rechnete.  Allerdings  ist  dieses  günstige  Ergebnis  wesentlich  auf  eine
grosse  Steigerung  des  Ansichtskartenverkehrs  zurückzuführen,  da  diese
Karten  bei  dem  viel  zu  teuren  10  C.-Porto  nur  wenig  benutzt  wurden.  Aber
wir  sehen  jedenfalls,  dass  die  pessimistischen  Berechnungen  der  Ausfälle
gar  nicht  eingetroffen  sind,  und  in  einem  Lande  ohne  Bevölkerungszunahme
will  das  schon  was  sagen.  In  Deutschland  liegen  die  Verhältnisse  weit
günstiger  in  solchen  Dingen.
Im  Etatsanschlag  für  1909  rechnete  die  französische  Postverwaltung
mit  einer  ansehnlichen  weiteren  Steigerung  der  Briefe  und  einer  daraus
hervorgehenden  Mehreinnahme  von  14,8  Milk  Fr.  (Deutsche  Verkehrs-Zeitung
1908,  30.  Oktober,  Nr.  41,  S.  554).  Leider  fehlt  es  noch  an  einer  ordentlichen
Darstellung  aller  Zahlen  dieser  französischen  Briefportoreform,  auch  in  der
deutschen  Fachpresse.
3 )  Vgl.  Deutsches  Postarchiv  1873,  S.  505—512  (in  einem  Aufsatz  von
Timm),  und  Archiv  für  Post  und  Telegraphie  1896,  S.  685  (in  den  vortrefflichen ­
  „Beiträgen  zur  Geschichte  der  Postkarte“  von  Grosse).
            
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