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als solcher deutlich verfolgen, besonders in Afrika, wo der Aufstand ja
erst von 1904 ah begann, sowie in Australien.
Wir gehen vom Jahre 1898 aus, dem Jahre vor der Portoreform, und
wollen den Briefverkehr besonders berücksichtigen, dessen Taxe von 20
auf 10 Pf. für 15 g ermässigt wurde und seit dem 1. April 1900 für 20 g
galt. In Kiautschou stieg dieser Verkehr nach Deutschland von 1898
bis 1900 etwa um 95 % und bis 1907 hat er sich reichlich Terzwölffacht.
Der Briefverkehr der deutschen Schutzgebiete in Afrika
nach dem deutschen Reichspostgebiet wuchs von 1898 bis 1900 ebenfalls um
etwa 95°/o, und bis 1902, in 4 Jahren, um etwa 180 °/ 0 . Noch vor dem Auf
stande also! Der Briefverkehr Deutsch-Australiens nach der Heimat
hat sich von 1898 bis 1901, in 3 Jahren, um 593% gehoben.
In rrmgekehrter Richtung, aus dem Eeichspostgebiet nach den
Schutzgebieten, wuchs die Briefzahl nach Kiautschorr von 1898
bis 1900 schon um 110% und bis 1907, in 10 Jahren, um 1310%; die nach
Deutsch-Afrika von 1898 bis 1903, in 5 Jahren, um 204 %, in 10 Jahren
um etwa 1400%. Die Briefe nach Deutsch-Australien haben sich von
1898 bis 1900 um mehr als 200% und in 10 Jahren um etwa 500% vermehrt.
Auch wenn man bei allen diesen Verkehrssteigerungen die erwähnten
Nebenrimstände mit berücksichtigt, so bleibt doch noch genug übrig, was
als alleinige Wirkung der bedeutenden Portoherabsetzung anzusehen ist.
Das zeigt sich am meisten bei Deut sch-Australien, dessen Verkehr nach,
dem Reich sich schon in 2—3 Jahren verfünffachte und in umgekehrter
Richtung verdreifachte, ohne dass besondere Umstände dabei wesentlich
mitspielten.
Ich habe im übrigen den statistischen Verkehrszahlen auch die Zahl
der Po staust alten in den Schutzgebieten beigefügt, da deren Zuwachs
natürlich eine Erleichterung der Brief auf gäbe bedeutete.
Leider gibt die Reichspoststatistik für die einzelnen afrikanischen
Kolonien keine gesonderten Zahlen an.
Da in China der deutsche Handel und deutsche Unternehmungen
sich auch ausserhalb Kiautschous lebhaft entwickeln, so wuchs natürlich
der Briefverkehr ausserordentlich in diesen Beziehungen, auch ohne besondere
Portobegünstigung. Eine solche würde ihn aber sicherlich noch weit mehr
fördern. In der Tabelle c unten sind die betreffenden Zahlen zu finden.
Der absolute Verkehr ist ja gering, doch die verhältnismässige Steigerung
sehr stark. Bei Briefen von einigen wenigen grossen kapitalkräftigen Firmen
in wichtigen überseeischen Geschäften ohne Massenpropaganda spielt
natürlich ein Mehr oder Weniger von 10 Pf. beim Porto keine Rolle. Die
Zahl der deutschen Firmen in China findet man unten (S. 304) angegeben,
lieber den Briefverkehr mit Luxemburg seit 1902 unterrichtet Tabelle d.