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hat diese wiederholt abgeschätzt, noch im Jahrgang 1905 (S. 417)
z. B. auf 10 Millionen M, und einen Wegfall oder eine erhebliche
Herabsetzung der Transitgebühren als vorhergehende Voraus
setzung des 10 Pf.-Portos für internationale Briefe erklärt. In
einem grossen Leitartikel ihrer Hummer (Nr. 50) vom 11. Dezember
1908(8.623—025), wo die „Herabsetzung des Briefportos im deutsch
amerikanischen Verkehr“ behandelt wird (vgl. unten 8. 288 ff.),
erinnert sie daran, dass ein Brief im Durchschnittsgewicht von
13,6 g von Deutschland nach New-York beim Wege über Belgien
und Frankreich an diese zwei Länder zusammen 3,26 Pf. an
Landtransitgebühren und ferner 4,89 Pf. an Seetransitgebühr zu
zahlen hätte. Bei einem Porto von 10 Pf. blieben also der deutschen
Post kaum 2 Pf. übrig und der amerikanischen im umgekehrten
Falle unter dem Satze von 2 Cents oder 8,4 Pf. fast nichts.
Damit würden nicht einmal die Selbstkosten gedeckt, und eine
Verkehrssteigerung käme hier bloss einer Steigerung des Defizits
gleich. „Weltpennyporto und Rentabilität“, heisst es weiter,
„das ist überhaupt eine sehr kitzliche Frage, über die am leichtesten
die gänzlich unbefangenen Leute hinweg kommen“.
In derselben halbamtlichen „Deutschen Verkehrszeitung“
folgte am 26. März 1909 (Nr. 13, S. 225—229) ein weiterer
langer Artikel, betitelt; „Zur Frage eines 10 Pf.-Weltportos
für Briefe“ vom Ober-Postinspektor H. Herzog zu Berlin, der
durch mancherlei gediegene Arbeiten in der Fachpresse bekannt
ist. Unter dem gleichen Titel hatte er s'chon vorher am
25. Februar 1909 im „Tag“ (Nr. 47), einen ähnlichen, nur etwas
kürzeren Aufsatz veröffentlicht.
Ich will auf diese Arbeiten hier ein wenig eingehen, weil
sie die Ansichten fachmännischer und amtlicher Kreise offenbar
widerspiegeln. Herzog hegt auch grosse finanzielle Bedenken
gegen das Weltpennyporto, worüber nach ihm „recht irrige Vor
stellungen obwalten“. Er untersucht die Frage dann planmässig
nach verschiedenen Richtungen.
1. Er betrachtet zunächst die Wirkung auf die Posteinnahmen.
a) Der Hinweis auf eine erhebliche Yerkehrssteigerung sei be
rechtigt. Der Briefverkehr Englands nach Indien sei infolge des Penny
portos (seit dem 2ö. Dezember 1898) schon im ersten Jahre um 30%, nach
6 Jahren aber um 100% gestiegen. Doch in Ländern, wo nicht von 20