— 1G1 —
Aus Indien nach England stieg der Brief- und Kartenverkehr seit
1898, unter dem Pennyporto, bis 1904 allerdings bloss um 69%, bis 1907
aber dann um 158% (gegenüber dem Jahr 1898).
Egyptens Briefverkehr nach Grossbritannien, seit dem 15. De
zember 1905 von 20 auf 10 Pf. ermässigt, wuchs schon bis 1907 um 139%
gegenüber dem Verkehr von 1904, dem Jahre vor der Reform, also in drei
Jahren; nach gewissen britischen Kolonien in Asien sogar um 220%, nach
Indien freilich bloss um 30%; aber die grosse Steigerung kommt vielleicht
hier einige Jahre später nach.
Der Deutsche Briefverkehr nach Kiautschou wuchs unter dem
10 Pf.-Porto (seit dem 1. Mai 1899) von 1898 bis 1900 um 110%, bis 1907
aber um 1310%; nach den deutschen Schutzgebieten in Afrika in 5 Jahren
um 204%, in 10 Jahren um 1400%, nach Deutsch-Australien um 200
bzw. 500 %. Darüber findet man oben (S. 151 u. 153) näheres.
Nach Luxemburg wuchs die Briefzahl in 6 Jahren freilich bloss
um 90%, umgekehrt aber um 182%; doch das wird seine Gründe haben.
Wir ersehen hieraus jedenfalls die Steigerungsmöglichkeiten.
Beim transitfreien Verkehr mit Nachbarländern fallen viele der ge-
äusserten Bedenken ganz weg.
Nicht zu unterschätzen sind aber die Nebenwirkungen eines
gesteigerten Auslandsverkehrs auf den Inlandsverkehr, da z. B.
Bestellungen aus dem Auslande sehr häufig zu zahlreichen Briefen im In
lande führen, die sich auf die Ausführung der Bestellung für den Aus
länder beziehen. Natürlich kann man diese nicht ziffernmässig nachweisen.
Aber an den Gesamteinnahmen merkt man sie Und die Indirekten
Pracht- und Zolleinnahmen, durch den erleichterten Weltbrief verkehr
gefördert und veranlasst, bedeuten auch Einnahmen der Staatskasse. Es
wäre doch ein enger Ressorteifer, wenn man bloss darauf Wert legte,
dass gerade die Postkasse mit hohen Einnahmen paradieren müsse!
I») Die alljährliche natürliche Verkehrssteigerung kann man
gewiss theoretisch mit in Betracht ziehen. Aber die Staatskassen legen
bei Tarifreformen mit Ermässigungen zunächst bloss auf die Vermeidung
wirklicher Mindereinnahmen gegenüber dem Vorjahre wert. Denn auch
der Vorteil für das Publikum und die Volkswirtschaft, für Handel und
Verkehr, ist doch in Betracht zu ziehen.
Wenn man aber Tarife unklug erhöht und dann durch den Minder
verkehr auch noch Mindereinnahmen erzielt, dann haben sowohl Publikum
wie Staatskasse Nachteile. Die natürliche Verkehrszunahme fällt weg und
die Abnahme nützt niemandem, schadet aber vielen.
c) Im Jahre 1907 — nach der neuesten Weltpoststatistik, die aber
nur 97 von 135 Vereinsländern mit 91 % der Einwohner des Weltpostvereins
umfasst — wurden insgesamt 17 668 Millionen Briefe (neben 5637 Mil
lionen Karten und 15 585 Millionen Drucksachen usw.) im Inlandsverkehr
11