Full text: Weltporto-Reform

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nach, womöglich sogar schon bis zum nächsten AVeltpostkongress, 
durchzuführen. 
Doch die Wirklichkeit ist den Wünschen in manchen Hin 
sichten schon vorausgeeilt. Deutschland und England stehen 
bereits mit der amerikanischen Union im Postverein; viele andere 
Staaten haben fremde überseeische Postvereinsbeziehungen, ganz 
abgesehen von den Kolonialpostvereinen. Der Nachbarverkehr 
steht dagegen neben dem Ueberseeverkehr oft benachteiligt da. 
Es ist also die vorgeschlagene Regel hier schon durchbrochen. 
Wir wollen nun einmal Zusehen, welche Regeln und Grund 
sätze man überhaupt aufstellen könnte, und zugleich prüfen, 
welchen Schwierigkeiten sie begegnen würden. 
In Afrika erhebt der Kougostaat für je 15 g 20 Centimes als 
Seeportozuschlag für Briefe 
Wie man ans alldem sieht, kann also von einem einheit 
lichen Briefporto im Weltpostverein augenblicklich kaum noch 
geredet werden, und es ist höchste Zeit, dass diese gefährlichen 
Lebergangszustände einem einheitlicheren Dauerzustände das 
Feld räumen. 
Das Internationale Burean des Weltpostvereins hat in seinem 
„E.eoneil de renseignements concernant l’execntion de la Convention 
principale“ vom Juli 1907 die Weltportotarife und Gewichtseinheiten aller 
Länder zusammengestellt. Leider sind damals bei einer grossen Anzahl 
von ihnen jedoch Lücken geblieben, und die Gewichtssätze und zweiten 
Portostnfen fehlten ganz. In der Zeitschrift des Vereins, L’Union postale 
(Jahrg. 1008, Nr, 6, vom 1. Juni, S. 93—94, und in den späteren Heften) 
sind diese Notizen später nach dem neueren Stande wiedergegeben und ergänzt, 
aber auch keineswegs vollständig. Das Berner Bureau wird also ver 
mutlich wohl von den betreffenden Verwaltungen nicht mit dem genügenden 
Material versorgt worden sein. Derselben Erscheinung begegnet man aber 
in der Berner Weltpoststatistik, in der ein grosser Teil der Vereins- 
läuder überhaupt zu fehlen pflegt, obwohl statistische Materialien vorhanden 
sind und z. B. im Gothaer Hofkalender oder in Hübners Tabellen oft 
vielerlei zu finden ist, was man in der Statistik des offiziellen Weltpost- 
vereinsbureaus vermisst. So fehlen z. B. völlig statistische Notizen über 
Brasilien. Kanada, Persien, während man im Höfkalender oder bei 
Hübner doch manches darüber findet. Der wissenschaftliche Forscher 
empfindet solche Lücken in der Statistik natürlich sehr störend, selbst 
wenn manche davon später in der Vereinszeitschrift teilweise ausgefüllt 
werden. 
Hiernach wäre es vielleicht angebracht, wenn-dem Berner 
Bureau grössere Mittel zur Verfügung gestellt würden, damit 
es in der Lage wäre, sich ln allen den Ländern, die es mit der
	        
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