Full text: Weltporto-Reform

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10. Man kann ferner nach dem holländisch-kolonialen 
und deutsch-amerikanischen Postvereinsmuster so vergehen, 
dass nur die im direkten Seeverkehr durch eigene Post 
dampferlinien beförderten Briefe das billige Porto 
geniessen, sei es nun zwischen zwei Ländern oder zwei Länder 
gruppen oder mehreren Postvereinsgruppen. 
Dadurch würde der finanzielle Ausfall zweifellos verringert. 
Doch darf nicht verschwiegen werden, dass sich dabei leicht- 
wesentliche Verzögerungen der Beförderung ergeben, die in der 
Handels- und Geschäftskorrespondenz oft empfindliche Nachteile 
zeitigen. Aber wer an solcher Verzögerung keinen Anstoss 
nimmt, würde immerhin bedeutende Vorteile geniessen. 
und 26. Oktober 1908 für ein dentscli-französisclies Postabkommen aus, und 
am 3. Mai 1909 nahmen auch die Yerkehrsaussohüsse des „Deutsch- 
Französischen Wirtschafts-Vereins“ zu Berlin eine Resolution in diesem 
Sinne an, die zu positiven Anträgen in den Parlamenten auffordert. Es 
sollen womöglich für alle Briefpostkategorien, auch für Pakete, im wesent 
lichen die inländischen Taxsätze eingeführt werden. 
Ich würde es für wichtig halten, dass bei einem solchen Postvereins 
abschluss auch die beiderseitigen Kolonien gleich mit einbegriffen werden, 
und kann mir wohl denken, dass er für die weitere Entwicklung in der 
Richtung eines Welt-Pennyportos von gewaltiger Wirkung sein würde und 
für zahlreiche andere Länder das Signal zu ähnlichen Abkommen gehen 
würde. Man könnte mit dem Briefporto zunächst anfangen. Trotz des 
Finanzdefizits in beiden Ländern, das ja nicht ewig dauern wird, wären 
die Portoausfälle leicht zu ertragen, und auf 30 — 40% Verkehrszuwachs 
könnte man in einem Jahre wohl rechnen, wenigstens mit Wahrscheinlichkeit. 
Deutschland schickt (1907) nach Frankreich ID,58 Millionen Briefe 
und 827 000 nach den französischen Kolonien. Aus dem Reiohspost- 
gebiet (d. h. Deutschland ohne Bayern und Württemberg) gingen 1907 
dagegen nach Frankreich 13 88G 700 Briefe und nach französischen Kolonien 
(Algier und Tunis), soweit die Statistik darüber Aufschluss gibt, 303 830, 
zusammen also 14 190 530 Briefe, die hei 20 Pf. Porto 2,8 Millionen Mark, 
bei 10 Pf. aber nur etwa 1,4 Millionen Mark einbringen, d. h. 1,4 Millionen 
Mark weniger. Bei 33% Verkehrssteigerung würde es für die Reichs- 
post aber nur ein Ausfall von etwa 0,97 Millionen Mark sein. 
Frankreichs Briefe (mit den unfrankierten) nach Deutschland, 
beliefen sich 1907 auf 16 44D113 und nach deutschen Kolonien bloß auf 
1282. Das würde bei einer Portoermässigung von 25 auf 10 Centimes einen 
theoretischen Einnahmeausfall von 2,47 Millionen Franken oder 1,97 Millionen 
Mark bedeuten; doch bei einer Verkehrszunahme um 33% im ersten Jahte
	        
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