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Die Durchführung des Weltpennyportos hätte aber auch
noch eine andere, tiefere Bedeutung als bloss die Ermässigung
des Brieftai'ifs um 15 Centimes oder 10 Pfennige. Sie würde
nicht nur den internationalen Briefverkehr, sondern auch den
Inlandsverkehr der Länder des Erdballs in der Hauptsache
unter ein und dasselbe Gesetz stellen. Das wäre also ein Welt
gesetz für In- und Ausland, ein neues Band, das die Staaten
umschlingt und gewissermassen ineinanderfügt.
Schon jetzt haben die Tarife und Bestimmungen des Welt
postvertrags eine nicht unbedeutende Rückwirkung auf die in
ländischen Postverhältnisse vieler Länder ausgeübt. Ein gleicher
Welttarif für In- und Ausland würde das in erhöhtem Grade
tun, und das Weltpennyporto ist der Weg, der dahin führt.
Einen solchen grossen Gedanken können sich die Völker schon
etwas kosten lassen.
Ich behalte mir jedoch vor, für den Fall, dass die finan
ziellen Bedenken vorläufig noch zu grosse Hindernisse in den
Weg legen, Vorschläge zu machen und näher zu begründen, die
den Postkassen kein so grosses Risiko auferlegen und das inter
nationale Pennybriefporto einstweilen in einer bestimmten
anderen Form doch zu verwirklichen gestatten.
natürlich, prädestiniert, könnte aber, solange es die Einnahmeausfälle scheut,
wenigstens mit dem befreundeten und Malta benachbarten Italien sowie mit
dem verbündeten Japan (nebst Korea) in ein Postvereinsverhältnis treten
und die Kolonien mit einbeziehen. Nach Japan schickt es 487 000 Briefe
(Korea 7500), aus Japan nach England gehen nur 255 000, nach Canada
152 000, nach Britisch Indien 56 000, nach dem sonstigen britischen
Asien und Australien 233 000 Briefe, so dass also die Ausfälle leicht zu ver
schmerzen wären. Japan hätte auch schon wegen seiner nahen Welt
ausstellung Grund, den Briefverkehr nach Deutschland (nur 120000) und
Frankreich (65 000) sowie nach der amerikanischen Union (1 597 000)
und nach Russland (76 000), als seinen ausserasiatischen Hauptverkehrs
ländern zu verbilligen, zumal da die Japaner im Inlande ein so billiges Porto
haben (6 Pf.) und daher das hohe Weltporto (20 Pf. oder 25 Centimes) als
hemmend hoch empfinden müssen.
So kann man natürlich noch viele weitere Kombinationen anstellen,
die als Etappen zum allgemeinen Welt-Pennyporto anzusehen wären.
Wenn China mit allen grossen Weltstaaten und deren Kolonien (mit
England, Frankreich, Deutschland, Russland, Japan, auch Ägypten und
Marokko) bereits im Postverein lebt, so können auf die Dauer die andern
Länder darin nicht nachstehen. Sie wollen auch das, was China schon hat!