Full text: Weltporto-Reform

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Der englische Generalpostmeister teilte dem Untexhause am 3. Juni 
1908 mit, dass die Postverwaltung der Vereinigten Staaten von Amerika 
den britischen Vorschlag, das Briefporto im gegenseitigen Verkehr auf 
1 Penny oder 2 Cents herabzusetzen, angenommen habe. 7 ) Beide Länder 
liegen etwa 5000 km von einander entfernt und werden durch 8—JO tägige 
Dampferreisen verbunden. 
England zählt 314 869 qkm mit 44,6 Mill. Einwohnern 
Die Vereinigten Staaten (ohne 
Portorico und die Philippinen, 
Marianen etc.) 9 420 670 „ „ 84,2 „ „ 
Das Inlandsporto: 
Gesamtgebiet: 9 735 339 qkm mit 128,8Mill. Einwohnern 
Das neue Vereinsporto (nur für Briefe) beträgt: 
. , TT , ()Q ,, ■. ) aus England 1 Penny (8,5 Pf.) 
für jede Unze (28,3 g) | ^ Amei - ka 2 Cmts (8>4 „ } 
Das Weltporto beträgt für die erste Unze 2 l /a d oder 5 Cents, für jede 
weitere Unze 1 '/a d oder 3 Cents. 
in England: 4 Unzen (113,2 g) 1 Penny, 
je 2 Unzen mehr 1 / ä Penny; 
in Amerika und Canada: jede Unze 2 Cents 
(8,4 Pf.). 
Da Canada (9 897 571 qkm, 6 Mill. Einw.) mit den Vereinigten 
Staaten längst einen Postverein bildet (Brieftaxe 2 Cents), so ergibt sich, 
dass England, Canada und die Union jetzt für das Briefporto ein ein 
heitliches Postgebiet darstellen. Dessen Gebietsgrösse beläuft sich 
also auf 19 633 110 qkm mit 134,8 Millionen Einwohnern. 
Nach den bisherigen Berichten gehören sonst die Schutzgebiete — 
Cuba wurde allerdings mit erwähnt — noch nicht zu diesem Verein, doch 
etwa seit Juni 1909 kam Hawai hinzu (vgl. Union postale, 1909, S. 95 
und 1908, 174). 
Die englische Postverwaltung schätzte den Ausfall infolge der neuen 
Portoermässigung auf 130 000 £ (2,6 Millionen Mark). Nach der Berner 
Statistik gingen 1906 aus England nach der Union 16,2 Millionen frankierte 
Briefe, die bisher 2 Va Pence brachten und künftig nur 1 Penny einbringen. 
100 000 £ wären also theoretisch wohl schon genug gerechnet. 
Dieses englisch-amerikanische Abkommen hat die europäische, be 
sonders auch die deutsche und französische Presse viel beschäftigt, weil 
nunmehr zwei grosse, verkehrsreiche, selbständige, weit von einander entfernte 
Industrie- und Handelsstaaten ein einziges Postgebiet bilden und andere 
Länder zur Nachahmung dieses Beispiels aufzufordern schienen. 
Weit entfernte fremde Länder, die einen Postverein bilden, gab es 
indessen doch schon vorher. Also darin allein lag noch nichts Neues. Man 
denke nur an die Postvereine Italiens xfi.it Ägypten, Spaniens mit den 
portugiesischen Kolonien (und Portugal), Neu-Seelands (einseitig) mit 
7 i Vgl. „Deutsche Verkehrs-Zeitung“ 1908, Nr. 24 (vom 12. Juni), S. 345.
	        
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