Full text : Weltporto-Reform

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Hill  aber  entgegnete:  „Ich  bin  sicher,  dass  Eure  Lordsohaft  keinen
Augenblick  darüber  zweifelhaft  sein  wird,  ob  sich  in  diesem  grossen
Handelsreiche  die  Grösse  des  Postamts  nach  der  Korrespondenz  oder  die
Korrespondenz  nach  der  Grösse  des  Postamts  zu  richten  hat.“ 18 )
Damals  wurde  das  Porto  von  durchschnittlich  6—7  Pence,  im  Maximum
waren  es  17  Pence,  auf  1  Penny  für  den  Gesamtverkehr  des  Inlands  herabgesetzt; ­
  jetzt  aber  handelt  es  sich  bloss  um  Herabsetzungen  von  ‘2,'/%  auf
1  Penny  beim  Verkehr  nach  dem  Auslande,  der  nur  etwa  70  Millionen
Briefe  zählt,  neben'  2700  Millionen  Briefen  des  Inlandsverkehrs  und  etwa
37  Millionen  nach  den  Kolonien  (1906).  Und  trotz  der  Penny-Porto-Reform
von  1840  und  des  Kolonial-Penny-Pprtos  von  1898  ist  der  Überschuss  der
englischen  Post  jetzt  der  höchste  von  allen  Postverwaltungen  der  Welt
(128  Millionen  Pranken,  nach  der  Berner  Statistik  für  1906).
Der  ehglisohe  Generalpostmeister  erinnerte  ferner  auch  daran,  dass
er  nicht  selbständig  vergehen  könne,  sondern  das  Schatzamt  hinter  ihm
stehe,  das  bei  Reformen  wesentlich  mitzusprechen  habe,  und  meinte,  dass
die  Ausdehnung  des  Penny-Portos  auf  den  Verkehr  mit  Frankreichin ­
  absehbarer  Zeit  (within  a  limited  time)  nicht  möglich  wäre. *  14 )
Es  sei  aber  sehr  befriedigend,  dass  nun  wenigstens  im  Verkehr  Englands
mit  allen  englisch  sprechenden  Völkern  das  gleiche  Briefporto  gelte.
Beiläufig  gesagt,  wurde  auch  im  Schweizer  Ständerat  beantragt,
im.  Verkehr  mit  England  das  Briefporto  von  25  auf  20  Centimes  zu  ermässigen.
  Der  Bundesrat  hielt  es  jedoch  für  untunlich,  nach  dem  entfernten ­
  England  billigere  Taxen  festzusetzen,  als  nach  den  angrenzenden
Nachbarländern. 15 )  Doch  sei  eine  gegenseitige  Grenzverkehrsverbilligung
bei  der  italienischen  Postverwaltuug  angeregt  worden.  Ob  England  einer
Portoverbilligung  mit  der  Schweiz  geneigt  sei,  wäre  dazu  auch  ungewiss.
Bis  jetzt  bezieht  sich  das  neue  Penny-Porto-Abkommen  Grossbritanniens ­
  und  der  Union  nicht  auf  die  britischen  Kolonien,  von  Canada
abgesehen  (und  von  Hawai  amerikanischer  Seits),  das  schon  bisher  mit  den
Vereinigten  Staaten  im  .Postverein  stand.  Es  würde  nun  nahe  liegen
und  auf  gar  keine  finanziellen  Schwierigkeiten  stossen,  wenn
auch  der  gesamte  englische  Kolonialbesitz  mit  der  Union  den
ls )  The  life  of  Sir  Rowland  Hill,  London  1880,  1,  293,  294.
14 )  1906  gingen  aus  England  nach  Frankreich  11,65  Millionen  frankierte
Briefe.  Wenn  diese  statt  2*/ ä  d  nur  je  lV 2  d  bezahlten,  so  würde  das  theoretisch
eine  Mindereinnahme  von  etwa  1  Million  Mark  sein.  Bei  der  Penny-Porto-Reform
  von  1840  aber  handelte  es  sich  um  einen  Ausfall  von  22  Millionen
Mark,  zu  einer  Zeit,  da  der  Überschuss  nicht  104  Millionen  Mark  betrug,
wie  heute,  sondern  33  Millionen  Mark,  so  dass  der  damalige  Ausfall  (1840)
66  %  des  Überschusses  verzehrte,  während  bei  einer  Portoermässigung  nach
Frankreich  heute  bloss  1  %  in  Frage  käme,  und  bei  einer  allgemeinen  Herabsetzung ­
  für  das  ganze  Ausland  etwa  7  %  (7  Millionen  Mark)  auf  dem  Spiel
ständen,  von  allen  Verkehrssteigerungen  abgesehen.  Neuere  Zahlen  siehe  S.179,
vgl.  auch  S.  105—106,  Anmerk.  16 )  „D.  Verk.-Ztg.“  1908,  Nr.  32,  S.  424.
            
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