Full text : Weltporto-Reform

Aus  Deutschland  nach  der  Union  gingen  1906  rund  12,20  Millionen
frankierte  Briefe,  aus  dem  Reichspostgebiet  (d.  h.  Deutschland  ohne  Bayern
und  Württemberg)  ebendahin  9,94  Millionen;  1907  waren  es  11,88  Millionen
(aus  dem  Reiohspostgebiet).
Umgekehrt  schickte  die  Union  nach  dem  Reichspostgebiet  nur
7,4  Millionen  Briefe.
Wenn  nun  bei  der  Hälfte  der  Reichspostbriefe  künftig  je  10  Pf.
weniger  eingehen,  so  wurde  das  eine  theoretische  Einbusse  von  etwa
600  000  M  sein  Bei  fest  subventionierten  Dampferlinien,  die  bei  einem
Mehrverkehr  von  Briefen  keine  höheren  Vergütungen  erhalten,  würde  eine
Verkehrssteigerung  natürlich  auch  wirkliche  Mehreinnahmen  der  Post  ergeben.
Wie  sich  die  Briefe  künftig  auf  den  direkten  Seeweg  und  die  andern
Wege  verteilen,  ist  freilich  nicht  vorauszusehen.  Da  die  Zahl  der  Briefe
ans  Deutschland  nach  den  amerikanischen  Schutzgebieten  und  Besitzungen
nur  sein -  gering  ist  (nach  Portorico  17  720,  Panama  15  980,  Cuba  118  650,
Philippinen  33  640,  Südseeinseln  20  650)  und  umgekehrt  wohl  noch  geringer,
so  wäre  zu  wünschen,  dass  das  neue  billige  Porto  gegenseitig
auch  für  die  beiderseitigen  Kolonien  gelte,  sofern  sie  über  das
Mutterland  oder  auf  direktem  Seewege  erreichbar  sind.  Denn  der  Ausfall
käme  hier  kaum  in  Betracht;  dem  unaufhaltsam  kommenden  Welt-Penny-Porto
  würden  aber  die  Wege  dadurch  zweifellos  nur  weiter  geebnet
werden,  und  der  deutsch-amerikanische  Postverein  würde  dann  vollständig
und  lückenlos  dastehen.

15.  Marokkos  Postvereine
a)  mit  Spanien;
b)  mit  Gibraltar  (England);'
c)  mit  Frankreich  nebst  Algier  und  Tunis;
d)  mit  Tripolis  (Türkei);
e)  mit  Deutschland  nebst  Kolonien;
f)  mit  China.
Das  Sultanat  oder  Kaiserreich  Marokko  (456  000  qkm  mit  etwa  7  Milk
Menschen)  hat  keine  eigene  ordentliche  Reichspost,  sondern  bloss  eine
Botenanstalt  der  Regierung,  hie  und  da  einige  private  Postunternehmungeu
und  dann  44  Postanstalten  fremder  Staaten  mit  regelmässig  und  ziemlich
häufig  gehenden  Postkursen,  die  zwar  vorwiegend  zur  See,  aber  auch  mittels
Landbotenposten  alle  Küstenstädte  miteinander  sowie  die  wichtigeren  Städte
im  Innern  verbinden.’ 8 )  Die  Küstrnstrecke  ist  etwa  700  km  lang.  Die
Küstenstädte  sind  folgende:  Tetuan,  Tanger  (20  000  Einw.),  Larache
(15  000  Einw.),  Rabat,  Casablanca,-  Mazagan,  Saffi  und  die  südlichste,
Mogador  (20  000  Einw.).  Die  nördlichen  Binnenstädte:  Alkassar  (9000  Einw.),
Pez  (150  000  Einw.),  Meknes  (50  000  Einw.);  im  Süden  Marrakesch  oder  18
18)  Vgl.  „Deutsche  Verkehrs-Zeitung“  1900,  S.  112  —  116  („Postbeförderung ­
  in  Marokko“).
            
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