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Das obige deutsche Vereinsporto gilt aber auch, wie gleich näher aus-
geführt wird, von den deutschen Postanstalten in Marokko nach denen in
China und umgekehrt.
f) Marokkos Poslverein mit China.
(Vom 15. November 1907 ab.)
Dadurch, dass die 14 deutschen Postanstalten in Marokko und ebenso
14 in China im Wechselverkehr im wesentlichen das deutsche Inlandsporto
für alle Arteii Briefpostsendungen anwenden, wie eben oben angegeben,
stehen auch diese beiden dem Weltpostverein noch gar nicht angehörenden
Reiche schon in einem Postvereinsverhältnis mit einander und gemessen
ein ermässigtes Vorzugsporto vor dem Weltporto. Ein Brief aus Marokko
nach Peking, Shanghai oder Canton kostet nur 10 Centimes oder 8 Pf.,
wenn er dorthin an das deutsche Postamt geht. Aber selbst, wenn er etwa
mit der chinesischen Reiohspost in das tiefste Innere Chinas weitergesamdt
würde, so würde das hinzukommende chinesische Inlandsporto für Briefe
in Höhe von ‘I Cents (= 4 Pf.) das Gesamtporto doch bloss auf 12 Pf.
steigern, während das Weltpostvereinsporto 20 Pf. oder 25 Centimes beträgt.
Es leuchtet also ein, wie bevorzugt China und Marokko heute in
bezug auf die Höhe des Weltportos dastehen.
Dass man dem Handel damit die Wege ebnen will, ist gewiss nur
lobenswert, 27 ) Aber der sehr viel grössere Handel der europäischen Staaten
27 ) Das amtliche „Archiv für Post und Telegraphie“ (1907, S. 750)
schrieb bei Mitteilung des neuen Portos: „Der Briefverkehr der deutschen
Postanstalten in Marokko hat im Jahre 1906 in der Richtung nach dem
Reichspostgebiete 381 250 und in umgekehrter Richtung 75 110 Sendungen
ausgemacht. Es darf angenommen werden, dass die Taxherab-
setzung eine Zunahme des deutsch-marokkanischen Brief
verkehrs zur Folge haben und dazu beitragen wird, die wirt
schal'tli dien Interessen Deutschlands in Marokko zu fördern.“
Nach der Reichspoststatistik für 1906 beförderten die deutschen Post
anstalten Marokkos insgesamt (einschliesslich des marokkanischen Inlands
verkehrs) 1 401 900 Briefsendungen (929 200 aufgegebene und 472 700 ange
kommene), ferner 24 225 Postanweisungen (Wert: 4 085 325 M), 4020 Pakete
und 43 038 Zeitungsnummern. — Aus ganz Deutschland (d. h. Reichspost
gebiet nebst Bayern und Württemberg) gingen (nach der Berner Statistik
für 1906) an die deutschen Postanstalten in Marokko 89 060 Briefpost
sendungen (41 170 fr. Briefe, 13 720 Postkarten, 12 330 Drucksachen, 2590
Warenproben, 1220 Geschäftspapiere usw.). — An die fremden, dem Welt
postverein angeschlossenen Postanstalten Marokkos insgesamt gingen aus
Oesterreich 24 410 Sendungen (darunter 12 730 fr. Briefe und 5120 Karten),
aus Belgien 17 004 Sendungen (darunter 9880 Briefe), aus Aegypten
7620 Sendungen (4970 fr. Briefe), aus Frankreich (an die nichtfranzösischen
Postämter Marokkos) 20 615 Sendungen (9463 fr. Briefe), aus England
172 213 (86 303 Briefe), aus Italien 31 242 Sendungen (23 450 Briefe), aus