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Jedenfalls kann man also sagen: China, das Reich der 330
Millionen, steht durch die fremden Postämter und durch deren
neue Tarifherahsetzungen nun mit den grössten fremden Staaten
im Postvereinsverhältnis und zwar in einem erstaunlich weiten
Umfang: nämlich mit Deutschland, England, Frankreich, aber
zugleich mit deren Kolonien, ferner mit Japan, Russland und den
Vereinigten Staaten. Alsdann durch die deutschen Postämter (vielleicht
auch noch durch andere) zugleich mit Marokko, wo es ebenfalls deutsche
Postanstalten gibt; ebenso durch die englischen mit Aegypten und durch
die französischen mit Tripolis (Türkei).
Welches Land in der Welt wäre sonst so bevorzugt, dass es fast nacli
allen grossen Staaten der Erde und deren Kolonialgebieten für einen
Penny oder einen ähnlichen Betrag des Inlandsportos Briefe verschicken
kann? Bei manchen dieser Länder gilt hier übrigens der interne billige
Tarif auch für andere Briefpostsendungen.
Es ist doch eigentlich eine wahre Ironie des Schicksals, dass gerade
China diese Vorzugsstellung geniesst, während es nicht einmal dem Welt
postverein angehört. Es bildet sozusagen einen chinesischen Weltpost
verein für sich.
Auf die Dauer ist es jedenfalls ein unhaltbarer Zustand, wenn die
einander naheliegenden oder angrenzenden Länder und Ländchen im kleinen
Europa für einen Brief im Wechselverkehr noch 25 Centimes oder Heller
oder 2*/ 2 Pence oder 20 Pfennig entrichten, während man aus dem fernen,
fernen China nach den wichtigsten Reichen der alten und neuen Welt mit
ihren gesamten überseeischen Besitzungen nur 10 Centimes oder 1 Penny
oder noch weniger bezahlt.
Ich will im weiteren nun die Postvereine Chinas, d. h. der fremden
Postanstalten in China hier einzeln etwas näher behandeln.
a) Chinas Postverein mit Deutschland und seinen Schutzgebieten. 44 )
(Seit dem 1. Juli 1908.)
Die 14 deutschen Postanstalten in China und die 7 Postanstalten im
deutschen Kiautschougebiet haben für den Weltverkehr mit dem Ausland
Briefe und 7 V 2 bis 8 Millionen Brief Postsendungen aller Art
rechnen, die nach den fremden Postanstalten Chinas gehen, und
auf ungefähr ebenso viele schliessen, die von ihnen nach jenen
Ländern kommen. Diese Summe würde etwa 10% des Gesamt
verkehrs der chinesischen Reichspost entsprechen und ist im Ver
hältnis zu ihrem Inlandsverkehr hoch, denn bei Deutschland macht der
Briefpostverkehr nach dem Auslande nur 6,7 % der Inlandssenduhgen aus,
bei England 4,6%, bei Russland 9%, bei Japan 2% (1906). — Der Verkehr
nach Kiautschou (7 deutsche Postanstalten), der oben nicht eingerechnet
ist, betrug 1906: aus Deutschland 488 000 Briefe und 908 000 Briefpost
sendungen überhaupt, aus Japan 9000 und 18 000, aus Belgien 1400 Sen
dungen, aus Holland 1000 und 1700.
u ) Vgl. hierzu und zum Folgenden die Mitteilung im „Archiv für
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