Full text: Weltporto-Reform

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stand ilim anfangs mit Vorurteilen gegenüber. Er hatte sich den Gemein- 
satz in den Kopf gesetzt, Erfinder wären nur selten auch gute Geschäfts 
leute, und war ausserdem schwer zugänglich. Aber allmählich gewann er 
doch grosses Vertrauen zu ihm, nahm seine Neuerungsvorschläge immer 
bereitwilliger an und trat 1864, als er längst nicht mehr im Amt war, 
warm für die erwähnte Nationaldotation ein. „Hill war lange unter 
mir im Amt, oder vielmehr ich unter ihm“ (He was long in office 
under me, or rather I under him), sagte er damals in ihn selbst ehrender 
anerkennender Weise von seinem früheren Untergebenen. 
In der zweiten Amtsperiode Hills, wo er anfangs dem Maberly bei 
geordnet war, nahmen die Reibungen und Kömpetenzkonflikte gar kein Ende, 
und der damalige Generalpostmeister Lord Hardwioke, der anfangs beide 
versöhnen wollte, pflegte nachher oft zu sagen: „There cannot be two 
kings in Bentford“. Erst mit Maberlys Abgang hörte dieser ewige 
Streit auf (1854); doch hatte Hill auch nachher noch viel Feindschaft der 
untergebenen Postbeamten zu erdulden, weil er bei der Beförderung Be 
fähigung und Verdienst allein entscheiden liess. Die Civil Service Gazette, 
beeinflusst von einem entlassenen Postbeamten, schrieb oft gehässig von 
seinen „Ukasen“, seinem „Knebelungssystem“ und von den „weissen Sklaven 
der Postverwaltung“. 
Als Gladstone Schatzkanzler war, hat er Hill eitrigst unterstützt, und 
bei seinem Tode widmete er ihm begeisternd anerkennende Worte. Sein 
Loos, meinte er, sei in mancher Hinsicht besonders glücklich gewesen; sein 
grosser Plan sei wie ein Wildfeuer (like wildfire) drrrch die ganze zivilisierte 
Welt gelaufen, und nie sei eine örtliche Erfindung und Verbesserung noch 
bei Lebzeiten ihres Urhebers zum Wohl so ungeheurer Massen seiner Mit 
menschen zur Anwendung gekommen. 
Auch Hill selbst — von einem Qeueralpostmeister als „der König 
der Postreform“ bezeichnet — betrachtete sein Los trotz der vielen 
Kämpfe, Enttäuschungen und Kränkungen als ein sehr glück 
liches, wenn er es mit den Schicksalen anderer Reformer und 
Erfinder verglich, die meist vergeblich ihre Saaten ausstreuten, 
welche oft erst ein anderes Zeitalter erntete. 
Und er hatte zweifellos Recht, um so mehr, da sein grundlegender 
Reformgedanke nicht einmal neu war. Denn ein wohlfeiles Einheitsporto 
für Briefe ohne Rücksicht auf die Entfernung war lange vor ihm in 
mehreren Ländern Europas bereits verwirklicht gewesen, und die englische 
Postkommission von 1835 hatte schon in ihrem fünften Berichte für Preis 
verzeichnisse und Drucksachen Stempelpapier, gestempelt mit 1 oder 2 Pence, 
im übrigen aber Portofreiheit empfohlen, Stempelkuverts waren auch schon 
1653 in Paris üblich gewesen und vom Verleger Charles Knight 1834 für 
Zeitungen — bei einem Tarif von 1 Penny- befürwortet worden. Die aufkleb- 
bare Briefmarke aber, die die Durchführung des Pennyportos und der Vor- 
ausfrankieruug erst ermöglichte, war vom Buchhändler James Chalmers 
(1782—1853) in Dundee erfunden und 1834 probeweise hergestellt worden, ohne 
zunächst beachtet zu werden und ohne den Erfinder berühmt zu machen
	        
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