Bemerkenswert ist, dass schon vor einem Jahrzehnt der
,Third Assistant Postinaster General“ der Vereinigten
Staaten von Nord-Amerika, wie der Betriebsbericht der
amerikanischen Postverwaltnng für das Berichtsjahr 1897/98
das Nähere ergibt, den Vorschlag machte, die Union solle mit
England, Deutschland und Frankreich Verhandlungen
wegen Einführung eines Briefportos von 2 Cents (= 1 Penny
oder 8Y2 Pf-) für je 15 Gramm, eines „Ocean-Penny-Portos“,
und der Niederlande nebst Belgien an den dentscli-österreiohisclien Post-
verein, oline jedoch nähere Vorschläge dazu, zu machen.
Im Jahre 1900 begann eine besondere Bewegung zugunsten eines
deutsch-niederländischen Postvereins, aber auch einer Postunion
mit der Schweiz. Es war eine anonyme Broschüre erschienen: „Die
Frage eines deutsch-niederländischen Postvereins. Anhang: Ein
Postverein mit der Schweiz.“ (Berlin 1900/1901; Gose & Tetzlaff). Ihr
Verfasser war, wie schon oben in der Vorrede (S. IV) mitgeteilt worden
ist (im Gegensatz zu Vermutungen anderer Art) der Autor des vor
liegenden Buches, der vorher schon längere Zeitungsartikel mit der
selben Anregung und mit näherer statistischer Begründung veröffentlicht
hatte (am 28. und 29. März 1900 in den „Münchner Neuesten Nach
richten“; am 4. April 1900 im „Hamburger Fremdenblatt“, von wo
ein Abdruck in die „Deutsche Wochenzeitung in den Nieder
landen“ am 15. April 1900 kam, u. a. m.). Auch die Frage eines Post
vereins mit Belgien, Dänemark und Luxemburg wurde in der er
wähnten Schrift gestreift.
Presse und Parlament traten der Frage bald näher, ebenso die
deutschen und die niederländischen Handelskammern, die besondere Kon
ferenzen wegen eines gemeinsamen Postvereius abhielten. Der Reichs
kanzler Graf Bülow sprach dem Gedanken seine Sympathien aus. Am
14. Februar 1902 und am 28. Februar 1903 trat der freisinnige Abgeordnete
Müller-Meiningen, am 18. Februar 1904 der freisinnige Abgeordnete
Eickhoff im Reichstag für die Idee eines Postvereins mit der Schweiz
und mit Holland ein. Allein die Verhandlungen verliefen im Sande.
Dagegen trat unerwartet das Grossherzogtum Luxemburg am
1. Oktober 1902 wieder in ein Postvereinsverhältnis zum Deutschen Reich
ein, dem die inländischen deutschen Portosätze zugrunde gelegt wurden.
Einen „mitteleuropäischen Postverein“ befürwortete auch
Ed. Engel, der Zonentarifvorkämpfer, in zwei Leitartikeln der „Frank
furter Zeitung“ am 2. und 3. Mai 1902, wobei er Holland, Belgien,
Dänemark und die Schweiz mit dem Deutschen Reich postalisch ver
binden wollte.
In zwei Leitartikeln derselben „Frankfurter Zeitung“, betitelt
„Die deutschen Weltportosätze“, forderte Arved Jürgensohn am