Full text : Weltporto-Reform

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Der  Einfluss  des  billigen  Pennyportos  ist  in  Englands  Briefzahlen ­
  unverkennbar,  zumal  bei  Berücksichtigung  des  Umstandes,
dass  dort  1841—45  noch  40,8  °/o  der  Heiratenden  und  27  %  der
Marinesoldaten  nicht  schreiben  konnten,  ja  heute  noch  unter  den
Rekruten  10°/oo  Analphabeten  gezählt  werden,  in  Deutschland  aber
nur  0,3  %o-  Die  frühere  Entwicklung  zum  Handels-  und  Industriestaat ­
  kommt  natürlich  auch  in  Betracht.  Die  hohe  Ziffer  des  deutschen ­
  Auslandsverkehrs  ist  wesentlich  durch  das  billige  Porto  des
Deutsch-Österreichischen  Postvereins  beeinflusst.  Aber  seit  1875
hat  natürlich  auch  der  Weltpostverein  mächtig  belebend  gewirkt.
Die  Verkehrsmöglichkeiten  sind  seitdem  ausserordentlich
gestiegen.  1840  zählte  man  in  der  ganzen  AVelt  nur  8591  km
Eisenbahnen,  1855:  G8  148  km;  1870  waren  es  211  859  und  1875
schon  295  783  km;  doch  gegenwärtig  (1907)  ist  das  Eisenbahnnetz ­
  der  Erde  schon  auf  957  283  km  angewachsen, 10 )  womit
natürlich  auch  der  internationale  Postverkehr  wesentlich  erleichtert ­
  wird.  1873  bestanden  überhaupt  nur  47  überseeische
Postlinien,  darunter  10  deutsche,  die  bloss  nach  Amerika  gingen.
Heute  (1903)  gibt  es  245  Weltpostlinien  zur  See,  darunter  86
nach  Amerika,  43  nach  Asien,  68  nach  Afrika,  13  nach  Australien
und  35  nach  der  Levante.  England  unterhält  52,  Deutschland
45  von  diesen  Dampferlinien. 11 )  Der  Wert  des  internationalen
Handels  der  AVelt  hat  sich  von  1874  —1900  von  54  auf
86,5  Milliarden 12 ),  bis  1907  aber  auf  131  Milliarden  Mark  gehoben, ­
  der  deutsche  auswärtige  Eigenhandel  insbesondere  ist
von  6,1  auf  15,6  Milliarden  Mark 13 )  (1907)  in  den  Ein-  und  Ausfuhrwerten ­
  gestiegen.
Mit  der  anwachsenden  Industrie  wird  aber  ein  Aufsuchen
auswärtiger  Märkte  immer  notwendiger,  und  der  Briefverkehr
als  Eörderer  und  Pfadfinder  des  Handels  bedarf  daher  längst
neuer  Erleichterungen.
Ebenso  wie  das  einfache  Briefporto,  wenn  es  im  Inlande
noch  25  Centimes  statt  10  Centimes  oder  20  Pf.  statt  10  Pf.
betrüge,  den  inneren  Verkehr  in  seiner  Entwicklung  gewaltig
-»
10 )  Vgl.  „Deutsche  Verkehrs-Ztg.“  1909,  Nr.  25.
u )  Jung,  „Der  Weltpostverein  und  sein  Einfluss' 1  (Strassburg  1903),  S.  33.
12 )  Jung,  „Der  Weltpostverein  und  sein  Einfluss“  (Strassburg  1903),  S.  31.
13 )  Vgl.  S.  195  und  197  des  Statistischen  Jahrbuchs  für  das  Deutsche
Reich  1908.  „  Ferner,  S.  66  im  „Anhang“  dazu.
            
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