Bemessungsgrundlage für die Kohlensubvention waren die. von den einzelnen Bergwerken gezahlten
Lohnsummen, Der Staat übernahm also durch die Kohlensubvention einen Teil der Bergarbeiterlöhne.
Als die Zahlungen mit dem 1. Mai 1926 aufhörten, kam es zu dem englischen Bergarbeiterstreik, dessen
finanzielle Wirkungen sowohl für die gesamte britische Wirtschaft als auch besonders für das britische
Budget von weittragender Bedeutung wurden. Der Präsident des Board of Trade. hat die Produktions-
verluste und die Verluste, die infolge der erhöhten Arbeitslosigkeit der britischen Wirtschaft entstanden
sind, auf 250 bis 300 Millionen £ geschätzt. Diese Schätzungen beziehen sich nicht auf diejenigen
Verluste, welche in der Störung der Handelsbeziehungen durch den Kohlenstreik ihren Ursprung haben
und naturgemäß zahlenmäßig schwer erfaßt werden können.
Die Nachträge zu dem britischen Budget des Finanzjahres 1926/27, von denen bisher 5085512 £
bewilligt und weitere 3 545 000 £ beantragt sind, enthalten u. a. folgende Posten:
1. Bereits bewilligte Beträge
Technische Nothilfe (Zmergency Services) ............0.0.00000000000000000020+ 433 000 £
Einfuhr von Kohlen (Emergency Services) .............000000000000 10001004404 3000000 £
Arbeitslosenunterstützung (Relief of Unemployment) .......00000000000040004404 1075 000£
Coal Mining Industry Subvention ....:.. 250 000 £
2. Beantragte Nachträge
Arbeitslosenunterstützung (Relief of Unemployment) ....000e _3.250.000.£
Dh
Schon aus diesen Ziffern kann man ersehen, daß die Auswirkungen des Kohlenstreiks auf das britische
Budget ziemlich erheblich sind, denn es steht außer Zweifel, daß die Nachtragsbewilligungen für die
technische Nothilfe und besonders auch für die Arbeitslosenunterstützung auf den Kohlenstreik zurück-
zuführen sind. Hierbei ist noch zu berücksichtigen, daß die streikenden Bergarbeiter teilweise in den
Genuß der Armenunterstützung kommen, und daß die sehr erheblichen Mehraufwendungen, welche die
Gemeinden hierfür zu machen hatten, in obigen Zahlen nicht zum Ausdruck kommen. Den Gemeinden
soll hierdurch nach amtlichen Veröffentlichungen eine Belastung von insgesamt 6 Millionen £ ent-
standen sein‘).
Noch schwerwiegender als diese direkten finanziellen Folgen des Kohlenstreiks dürften die indirekten
sein, die sich in den bereits eingetretenen und zu erwartenden Steuerausfällen ausdrücken. In der Zeit
vom 1. April bis zum 31. Dezember 1926 betrugen die Staatseinkünfte etwa 20,6 Millionen £ weniger
als in der entsprechenden Zeit des Jahres 1925, wobei allerdings zu berücksichtigen ist, daß den durch
den Streik direkt wie indirekt betroffenen Unternehmungen ein großer Teil der Einkommensteuer nicht
völlig erlassen, sondern lediglich gestundet worden ist.
Über die dem Kohlenbergbau auf Grund des 7rade Facilities Act gewährten Kreditgarantien vgl. S.3531f.)
b. Frankreich.
1. Allgemeine Verwaltung,
Die oberste Verwaltungsbehörde für Handel und Gewerbe ist in Frankreich das Ministere du Commerce
et de TV’ Industrie (vor dem Kriege: Ministöre du Commerce, de l’Industrie, des Postes et des TeElegraphes).
Daneben besteht nach dem Kriege eine Sonderbehörde (Service du Commerce ) für Elsaß-Lothringen. Die
Ausgaben für diese Behörden stellen sich in den beiden Vergleichsjahren wie folet:
1914 1925
Original- Vorkriegs-
ziffern kaufkraft
in 1000 fr.
Ministerium für Handel und Gewerbe ................... 746 2 585 574
desgl., Pensionen 368 264 59
Sonderbehörde für Elsaß-Lothringen (Service du Commerce) R 92 21
Insgesamt.... 1114 2941 654
2. Industrie und Handel im allgemeinen.
Unter den Ausgaben zur Förderung der Industrie haben in Frankreich, besonders vor dem Kriege, die
Prämien an die Seidenspinnerei die Führung, Nach dem Kriege sind die hierfür gemachten Aufwendungen.
1) Laut Wirtschaftsdienst Nr. 47 vom 26. November 1926.
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