thumbs: Reparations-Sabotage durch die Weltwirtschaft

Das Phänomen der Konsolidierung von Zahlungsbilanzsalden. 33 
wäre, eine günstige Wirkung ausübte und den Zustand verhinderte, daß die 
Jeutschen Wechselkurse dauernd in der oberen. für die Währung gefährlichen Gold- 
zone ständen. 
Dazu kommt eine wichtige tatsächliche Wirkung auf den Passivsaldo der 
Zahlungsbilanz. Zur Erkenntnis wollen wir zunächst normale Verhältnisse, wie 
sie etwa vor dem Kriege bestanden, unterstellen. Jedesmal wenn der Wechselkurs 
in London — und entsprechend in anderen Ländern — die Phase seines tiefsten 
Standes, also Kurspunkt 2—3-—4 durchläuft, so ist für englische, französische usw. 
Kapitalisten eine sehr günstige Gelegenheit gegeben, ihr Kapital langfristig in 
Deutschland anzulegen. Die Kapitalanlage kann erfolgen, indem sie deutsche Aktien, 
Obligationen, Kuxe, Grundstücke, Hypotheken, Betriebsanlagen usw. kaufen, oder 
sich an deutschen Emissionen beteiligen, wobei das ausländische Kapital natürlich 
die am besten rentierenden Anlagen und darunter wiederum diejenigen aussuchen 
wird, die bequem in ausländischer Hand gehalten werden können, Kauft das 
Ausland diese lukrativen Beteiligungen oder Investierungen nun im Zeitpunkte des 
tiefsten Marktstandes, ca. 5%/g9 ‘unter der Parität, so entsteht dadurch ein Zzu- 
sätzlicher Extraprofit. Wer also immer sein Geld in Deutschland für längere Zeit 
anlegen will, wird wenn möglich den Zeitpunkt niedriger Markkurse im Auslande — 
hoher Devisenkurse in Berlin — wählen, Die Wirkung auf den Markkurs besteht 
darin, daß diese Kapitalanleger an ihrem heimischen Markt Mark kaufen und 
diese auf dem deutschen Kapitalmarkt unterbringen. Ob sie die Markbestände auf- 
kaufen oder ob deren bisherige Besitzer selbst aus ihrer bis dahin kurzfristigen 
deutschen Geldanlage in langfristiger Anlage am deutschen Kapital-Markt „umstei- 
gen‘, kommt auf dasselbe heraus. Während der Phase des tiefsten Markstandes 
besteht dauernd und überall im Ausland diese Tendenz zum „Umsteigen“, sodaß 
die ausländischen Devisenmärkte von dem fluktuierenden Markmaterial nicht nur 
entlastet, sondern eventuell so stark entblößt werden, daß nunmehr ein umge 
kehrtes Mißverhältnis, also überwiegende Nachfrage nach Mark entsteht und der 
Markkurs wegen dieses nunmehr aktiven Zahlungsbilanzsaldos umschlagen und 
steigen muß. 
In dieser Erscheinung liegt die eigentliche Lebenskraft der Goldwährungen, 
die von dem Metall im Wesentlichen nur noch den Namen und, um mit Knapp 
zu sprechen, den rekurrenten. Anknüpfungspunkt haben, 
Hier liegt gleichzeitig die innere Kraft, von der die „große“ Devisenspekulation 
lebt. Das Umsteigen aus kurzfristiger in langfristige Anlage ist es, was sie vorweg- 
nimmt. Hierin liegt die volkswirtschaftliche Berechtigung dieser Spekulation, beim 
Überfluß aufzukaufen, zu speichern, um bei Bedarf abzugeben. 
Zwei wichtige Dinge sind dazu zu beachten. Erstens sahen wir früher, daß 
ein einmal bestehender Passivsaldo zu ungunsten Deutschlands ungetilgt stehen 
bleiben muß, durch keinerlei Manipulationen. eskamotiert werden kann. Um diesen 
existenten Saldo handelt es sich; er wird bei dieser Gelegenheit aus kurzfristiger 
in langfristige Anlage überführt. Der Saldo ist zweitens englischer, französischer 
usw. Kapitalbesitz, der Besitz ist also bereits vorhanden, er braucht nicht erst 
gesucht zu werden; auch wer sein. Geld nicht in solcher Anlage haben will, kann 
nichts anders tun, als in der Anlage zu bleiben oder einen Käufer zu finden. Je 
profitabler die deutsche Anlage ist, um so leichter findet man Käufer. Es wird 
also allüberall, international wie in Deutschland solange eine entsprechende Aus- 
lese vorgenommen, bis hüben und drüben Kapitalanlage-Gelegenheit in Deutsch- 
jand und Kapitalgeber im Auslande zusammenpassen. In der Phase der tiefsten 
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Mahlberg, Reparations-Sabotage
	        
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