Metadata: Der Weltverkehr und seine Mittel

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Versendung von Drucksachen. Postkarten. Postanweisungen. 
völkernug erfreut sich jetzt die Postkarte der größten Beliebtheit; sie enthebt uns in vielen 
Fällen der Notwendigkeit, langatmige Briefe zu schreiben, und gewährt anderseits auch 
wieder das erwünschte Mittel, unseren Geschäftsfreunden, Angehörigen u.s. w. in der 
Ferne kurze Nachricht von uns zukommen zu lassen, was sonst Wohl unterbleiben würde. 
In letzter Zeit ist die Versendung von Postkarten mit Abbildungen auf der Rückseite 
sehr in Aufnahme gekommen, und das Sammeln solcher Ansichtspostkarten wird so 
wohl von der Herren- als auch von der Damenwelt eifrig betrieben. Die Versendung 
derartiger Karten hat bereits einen ganz ansehnlichen Umfang gewonnen. So wurden 
im Jahre 1898 vom Niederwalddenkmal bei Rüdesheim aus 216 000 Stück, vom Kyff- 
häuserdenkmal aus 168 000 Stück, vom Brocken (im Harz) aus 144 000 Stück Ansichts 
postkarten abgeschickt. Eine Erfindung der neuesten Zeit sind die Kartenbriefe, welche 
zuerst von Privat-Stadtbrief-Beförderungsanstalten in den Verkehr gebracht und dann 
auch von verschiedenen Postverwaltungen eingeführt worden sind. Bei der deutschen 
Reichspost finden sie seit dem 1. November 1897 Verwendung. Sie bestehen aus einem 
etwa 13 cm breiten, 31 cm langen Streifen dünnen Kartonpapiers, der zweimal zu 
sammengefaltet ist und am Ende in eine Verschlußklappe ausläuft. Zur Herstellung des 
Verschlusses sind die Spitze der Verschlußklappe und die beiden Seitenränder des Karten 
briefs nach innen zu mit Klebstoff versehen. Um das Öffnen zu erleichtern ist der Brief 
an beiden Seiten durchlocht, so daß die Ränder mühelos abgetrennt werden können. 
Die Kartenbriefe unterliegen demselben Porto wie gewöhnliche Briefe. Anfänglich 
wurden sie vom Publikum der Neuheit wegen viel gekauft, jetzt hat jedoch ihr Absatz 
sehr nachgelassen. 
Postanweisungen. Postnachnahmesendungen. Postaufträge. Die Post 
ist bei der ihr zunächst zufallenden Aufgabe, als Beförderungsanstalt zu dienen, nicht 
stehen geblieben; sie hat auch die Vermittelung des baren Geldverkehrs, soweit es sich 
dabei um nicht hohe Beträge im einzelnen handelt, in den Kreis ihrer Wirksamkeit ge 
zogen. Zn dem Zwecke wurde Ende der vierziger Jahre des 19. Jahrhunderts in 
Preußen das Verfahren der baren Ein- und Auszahlung von Beträgen bei den Post 
anstalten eingeführt. Wegen der Umständlichkeit desselben sowie wegen der Höhe der 
Gebühren machte indes die Entwickelung des neuen Dienstzweiges nur langsame Fort 
schritte. Das änderte sich sofort, als man im Jahre 1865 an die Stelle des bestehenden 
das sehr einfache Postanweisungsverfahren setzte und die Gebühren sehr bedeutend 
ermäßigte. Jetzt können bei allen Postanstalten auf Postanweisungen Beträge bis zu 
800 Mark behufs der Wiederauszahlung an den Empfänger der Postanweisung gegen 
eine geringe Gebühr eingezahlt werden. Der Postanweisungsverkehr in Deutschland hat 
infolge dieser Erleichterungen einen solchen Aufschwung genommen, daß er demjenigen 
von England und Frankreich zusammengenommen gleichkommt. Durch Einführung von 
telegraphischen Postanweisungen ist in diesem Verkehrszweige eine noch weiter gehende 
Erleichterung geschaffen worden. Wenn nämlich zwischen der Aufgabestation und dem 
Auszahlungsorte eine öffentliche telegraphische Verbindung besteht, so kann der Ein 
zahlende verlangen, daß die Postanstalt am Aufgabeorte mittels Telegramms die Post 
anstalt am Wohnorte des Adressaten von der Einzahlung des Betrages in Kenntnis setzt, 
woraus an letzterem Orte sofort die Auszahlung gegen Quittung auf dem Postanweisungs 
telegramm erfolgt. Da die Postanweisungstelegramme sogleich durch Eilboten dem 
Empfänger zugestellt werden, kann in möglichst kurzer Frist einer weit entfernten Person, 
die sich z. B. in augenblicklicher Geldverlegenheit befindet, geholfen werden, während auf 
einfachem brieflichen Wege eine Verzögerung und Zeitverlust ganz unabwendbar sein 
würden. Die Beträge der für Girokunden der Reichsbank eingegangenen Postanweisungen 
liefert die deutsche Reichspost für Rechnung der Adressaten auf deren Wunsch gleich an 
die Reichsbank ab, wodurch den betreffenden Geschäftsleuten Mühe und Zeit erspart 
wird. Die Postverwaltung besorgt ferner nicht allein im Wege des Nachnahme 
verfahrens, sondern auch auf Grund von Postauftragsbriefen das Einziehen von 
Geldbeträgen (bis 800 Mark) und kommt in einem solchen Grade den allgemeinen Ver- 
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