Full text : Material zur Lage der Bergarbeiter während des Weltkrieges

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Bei  dem  Wernigeroder  Knappschaftsverein,  der  eine  Rücklage ­
  nur  für  1,4  Jahre  hat,  würde  es  noch  schlimmer  aussehen,
wenn  die  fürstlichen  Zuwendungen  ausblieben.  Bei  der  Einnahme ­
  dieses  Vereins  für  1912,  die  35  806,14  Mark  betrug,  befanden ­
  sich  10  000  Mark  als  Geschenk  des  Fürsten,  269,27  Mark
als  Zuwendung  aus  dem  Verkauf  von  Möbeln  der  höheren
Töchterschule  und  430  Mark  als  Lehrgeld  von  Volontären.  Ohne
diese  Geschenke  hätte  die  Ausgabe  von  34  659,51  Mark  nicht  gedeckt ­
  werden  können.
Seit  Jahrzehnten  traten  weitsichtige  Kenner  und  Freunde
des  Knappschaftswesens  für  dessen  Vereinheitlichung  ein.  Die
Organisationen  der  Bergarbeiter  arbeiteten  in  der  gleichen  Richtung. ­
  Mehrfach  wurde  auch  von  Vertretern  der  Regierungen
die  Notwendigkeit  der  Beseitigung  leistungsunfähiger  Vereine
zugegeben.  Trotzdem  waren  bisher  nur  ungenügende  Erfolge
auf  diesem  Gebiete  zu  erzielen.  Jetzt  aber  lassen  sich  energische
Eingriffe  auf  dem  Gebiete  des  Knappschaftswesens  nicht  mehr
vermeiden.  Die  Folgen  des  Krieges  für  die  Knappschaftsvereine ­
  zwingen  zu  einer  weitgehenden  Verschmelzung. ­
  Der  Krieg  bringt  eine  ungeheuere  Belastung  der  Knappschaftsvereine ­
  mit  sich.  Große  Vereine  können  sie  überwinden,
kleine  und  kapitalschwache  aber  müssen  ihr  erliegen.
Vom  Bochumer  Knappschastsverein  waren  nach  Ablauf  des
ersten  Kriegsjahres  130  000  Mitglieder  zum  Heeresdienst  einberufen, ­
  also  fast  ein  Drittel  seiner  Mitgliederzahl,  die  406  025
am  1.  Januar  1913  betrug.  In  anderen  Knappschaftsvereinen
wird  die  Zahl  der  Eingezogenen  prozentual  noch  höher  sein,  da
weniger  Mitglieder  reklamiert  wurden.  Der  vorgenannte  Verein
berechnet  für  das  Kriegsjahr  einen  Ausfall  von  49  Millionen
Mark,  der  sich  zusammensetzt  aus:  Ausfall  an  Beiträgen  ungefähr ­
  22  000  000  Mark,  der  Mehrzugang  an  Invaliden,  wenn  nur
3y 2  Prozent  der  Invalidisierungen  der  Kriegsteilnehmer  zugrunde ­
  gelegt  werden,  erfordert  einen  jährlichen  Rentenbetrag
von  8  000  000  Mark,  an  Waisen  3  000  000  Mark,  demgemäß
würde  für  ein  Kriegsjahr  eine  Rentenmehrbelastung  von  etwa
27  000  000  Mark  und  ein  Beitragsausfall  von  22  000  000  Mark,
zusammen  49  000  000  Mark,  zu  veranschlagen  sein.  Dabei  sind
vom  Bochumer  Knappschaftsverein  die  neuen  Vorschriften  des
Knappschaftskriegsgesetzes  vom  März  1916  noch  nicht  in  Rechnung ­
  gestellt.  Auch  werden  sich  die  nachteiligen  Folgen  des
Krieges  auf  den  Gesundheitszustand  der  Kriegsteilnehmer  erst  '
später  herausstellen.
In  den  anderen  Vereinen  wird  die  prozentuale  Belastung
durch  den  Krieg  zum  Teil  noch  größer  fein,  wie  im  Allgemeinen
Knappschaftsverein  zu  Bochum,  weil  nicht  überall  der  gleichhohe

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