Full text : Material zur Lage der Bergarbeiter während des Weltkrieges

178

Beschwerde  wegen  der  unzureichenden  Verteilung  von  Lebensmitteln ­
  in  Triebei.
Bochum,  den  7.  Juli  1916.
An  Sc.  Exzellenz,  Herrn  von  Batocki  in  Berlin.
Ew.  Exzellenz!
Unterzeichneter  erlaubt  sich,  Ew.  Exzellenz  die  Abschrift  eines
Schreibens  zu  überreichen,  das  uns  von  unserem  Bezirksleiter  des
Senstenberger  Gebiets  zuging.  Aus  diesem  Schriftstück  ist  zu
ersehen,  wie  die  Verteilung  der  Nahrungsmittel  in  Triebel,  wo
viele  Bergarbeiter  der  Grube  Hoffnung  wohnen,  vorgenommen
wird.  Da  wir  annehmen,  daß  Ew.  Exzellenz  zur  Information
gerne  Kenntnis  von  dem  Schreiben  nehmen  und  auf  Beseitigung
der  gerügten  Mißstände  drängen  werden,  hielten  wir  die  direkte
Zusendung  der  Beschwerdeschrift  für  angebracht,  da  die  Bergarbeiter ­
  Triebeis  der  Ansicht  sind,  daß  ein  Vorgehen  bei  deni
Herrn  Landrat  zwecklos  sei.
Die  Beschwerdeschrift,  die  zugleich  Bericht  über  eine  am  30.
Juni  d.  I.  stattgefundene  Belegschaftsversammlung  enthält,  hat
folgenden  Wortlaut:
„In  der  Belegschaftsversammlung,  die  am  30.  Juni  in
Triebel  stattfand,  wurden  betreffend  der  Lebensmittelfragen
folgende  Beschwerden  vorgebracht:
l.  Brotversorgung.  Schon  im  März  1915  machte  die  Ortsverwaltung ­
  der  dortigen  Zahlstelle  an  den  Königlichen  Landrak
zu  Sorau  eine  Eingabe  um  mehr  Brot,  da  die  dortigen  Bergarbeiter ­
  die  Zusatzration,  die  anderen  Schwerarbeitern  gewährt
wird,  nicht  erhielten.  Der  Landrat  lehnte  ab.  Der  Kamerad
Haupt  ersuchte  den  Landrat,  die  Eingabe  dem  Regierungs-Präsidenten
  zu  unterbreiten.  Tie  Antwort  dos  Regierungspräsidenten ­
  war  ebenfalls  ablehnend  und  ging  dahin:
Die  Eingabe  ist  nur  von  17  Arbeitern  unterschrieben.
Nach  den  getroffenen  Ermittelungen  sind  in  der  Gegend  um  Triebel
200  Bergarbeiter  beschäftigt  und  sind  mithin  183  mit  der  Ration  zufrieden, ­
  da  kann  auf  die  17  keine  Rücksicht  genommen  werden,  .  .  .  ."
Tie  Leute  bekamen  also  anfangs  4  Pfund  und  dann  3f^
Pfund  Brot.  Erst  nach  wiederholten  Eingaben  ist  im  Mürz  1916
eine  kleine  Zulage  gegeben  worden.  Jetzt  bekommen  die  Leute
seit  Mürz  1916  1900  Gramm  Brot  und  360  Gramm  Zusatz  die
Woche.  Die  Zusatzmarken  werden  nicht  mit  den  Brotmarken
ausgegeben.  Tann  sind  dieselben  immer  noch  nicht  da  und  die
Leute  müssen  eine  bis  zwei  Wochen  warten.  Da  auf  zurückliegende ­
  Wochen  der  Zusatz  nicht  gegeben  wird,  so  verlieren  sie
für  die  Wochen,  die  sie  warten  muhten,  den  Zusatz.  In  Jockdorsi
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.