Full text: Material zur Lage der Bergarbeiter während des Weltkrieges

21 
Bochum, den 11. November 1914. 
An den kommandierenden Genral des VII. Armeekorps, 
«se. Exzellenz Freiherrn von Bissing, General der Kavallerie, 
in Münster. 
Der ergebenst Unterzeichnete erlaubt sich, Ew. Exzellenz fol 
gendes zu unterbreiten und höflichst um Abhilfe zu bitten: 
Am 7. September d. I. fand eine Sitzung des Arbeiteraus- 
schusses der Zeche Adolf von Hanseman in Mengede statt. In 
dieser Sitzung hat der Arbeiterausschuß beraten, wie der Kriegs- 
liebesdienst organisiert werden sollte. Die Zechenvertreter ver 
sprachen, pro Monat denselben Betrag zu zahlen, wie ihn die 
Arbeiter eventuell aufbringen würden, und wollten außerdem den 
Mietsatz für die Familien, deren Ernährer zum Kriegsdienst 
einberufen sind und in der Kolonie der Zeche wohnen, um 30 
Prozent oder aber um den Satz erniedrigen, den die Privat- 
hausbesitzer ablassen. 
Auf Grund dieser Versprechen fand am 20. September in 
Mengede eine Belegschastsversammlung für die Arbeiter bezw. 
Anlagen der genannten Zeche statt. Die Versammelten be 
schlossen, von ihrem Verdienst 2 Prozent pro Monat abzugeben, 
wenn die Zeche das ihrerseits gegebene Versprechen halte. Von 
dem Verdienst des Monats August wurde den Arbeitern der Be 
trag von 7842,75 Mark in Abzug gebracht. Die Zeche bezahlte 
denselben Betrags hinzu. Das Versprechen, den Mietspreis um 
30 Prozent zu kürzen, wurde von der Zeche nicht gehalten. Die 
Zechenvertreter bestritten vielmehr, ein derartiges Versprechen 
gegeben zu haben. Als die Handlungsweise der Zeche durch die 
Frauen, denen der volle Mietspreis ein behalten 
war, unter den Belegschaftsmitgliedern bekannt wurde, sah sich 
Topiralla Josef, wohnhaft in Mengede, Haberlandstraße Nr. 8, 
in seiner Eigenschaft als Mitglied des Arbeiterausschusses und 
Einberufer der ersten Versammlung gezwungen, für den 11. Ok 
tober eine weitere Versanunlung einzuberufen, um eventuell 
Stellung zu der Sache zu nehmen und die Belegschaft zu be 
ruhigen. Diese Versammlung, die von 600 bis 700 Belegschafts 
mitgliedern besucht war, nahm Kenntnis von der Sachdarstel 
lung. Auch ein Schriftsatz der Zeche wurde der Versammlung 
von Dopiralla zur Kenntnis gebracht. Die Versammlung be 
schloß einstimmig folgendes: 
„Die Belegschaftsmitglieder sind bereit, die zwei Prozent auch in 
Zukunft zum Kriegsliebesdicnst zu zahlen, aber nur unter folgender 
Bedingung: 
Der Arbeiterausschuß verwaltet die Kasse allein. Miete, Kohle usw. 
dürfen hiervon nicht bezahlt werden. Die Zeche soll keine 3 Prozent
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.