Full text: Material zur Lage der Bergarbeiter während des Weltkrieges

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lenbaußeretns vor einem Ort im April d. Js. eine Ausbeute von 
2,80 Mark und im Mai eine solche von 1,26 Mark ausgezahlt. 
Vor einem anderen Ort im April 1,74 und im Mai 1,26 Mark. 
Vor einem weiteren Ort im April 3,28, im Mai 1,48 Mark. Also 
überall ein wesentlicher Rückgang der Ausbeute, wodurch die be 
willigte Teuerungszulage von 40 Pf. illusorisch gemacht wurde. 
Auf demselben Werk wurden im Mai ohne Kriegszuschlag in 28 
schichten 131,77 Mark, in 24 Schichten 108,54 Mark, in 27 
Schichten 124,37 Mark und in 23 Schichten 112,97 Mark ver 
dient. Das sind Hauerlöhne, die bei normalen Zeiten als voll 
ständig ungenügend bezeichnet werden müssen, in der jetzigenZeit 
aber nicht mehr vorkommen sollten. 
Die im April d. Js. bewilligte Teuerungszulage von 40 Pf. 
muß im Verhältnis zu der vorgekommenen Erhöhung der Koh 
lenpreise als zu gering bezeichnet werden. Die Herren Werks 
besitzer haben wohl die ihnen entstehenden Mehrkosten und selbst 
auch die von den Arbeitern nicht verschuldete Minderleistung an 
gerechnet, aber der Erhöhung des Lohnes für die Bergarbeiter 
nicht die notwendige Beachtung geschenkt. Die sächsischen Berg 
arbeiter sind unter den Berufen der Kriegsindustrie , die am 
schlechtest bezahltesten Arbeiter. Auch ihre Kameraden in West 
falen verdienen pro Schicht mindestens 3 Mark mehr. Wenn 
man berücksichtigt, daß auch die Arbeiter mit weit höherem Ver 
dienst wie die sächsischen Bergarbeiter schwer zu kämpfen haben, 
um Durchhalten zu können, dann ist es leicht zu verstehen, wie 
traurig es in den Familien derBergarbeiter aussehen muß. Nicht 
nur körperlich und gesundheitlich ist der weitaus größte Teil der 
sächsischen Bergarbeiter auf einer Stufe angelangt, die zu den 
ernstesten Bedenken Veranlassung geben muß, sondern auch wirt 
schaftlich liegen die meisten Familien vollständig darnieder, weil 
dieselben seit Jahren nicht in der Lage waren, irgend welche not 
wendigen Gegenstände des allgemeinen Bedarfes im Haushalt 
sich kaufen zu können. 
Der fortgesetzte Drang zur Abwanderung, sowie die statt- 
gesundenen Unterbrechungen der Kohlenförderung auf den ein 
zelnen Werken sind Beweis dafür, daß die Geduld der Bergarbei 
ter das Höchstmaß erreicht hat und deshalb schnelles Handeln ge 
boten erscheint, wenn nicht weitere Störungen in der Kohlenför 
derung eintreten sollen, die unter Berücksichtigung der jetzigen 
Zeit, verhindert werden müssen. 
In der Hoffnung, daß die berechtigten Wünsche der Berg 
arbeiter volle Beachtung und möglichst schnelle Erledigung fin 
den, zeichnet 
mit hochachtnngsvollem Glückauf! 
(Unterschrift.) 
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