Full text : Material zur Lage der Bergarbeiter während des Weltkrieges

259

lenbaußeretns  vor  einem  Ort  im  April  d.  Js.  eine  Ausbeute  von
2,80  Mark  und  im  Mai  eine  solche  von  1,26  Mark  ausgezahlt.
Vor  einem  anderen  Ort  im  April  1,74  und  im  Mai  1,26  Mark.
Vor  einem  weiteren  Ort  im  April  3,28,  im  Mai  1,48  Mark.  Also
überall  ein  wesentlicher  Rückgang  der  Ausbeute,  wodurch  die  bewilligte ­
  Teuerungszulage  von  40  Pf.  illusorisch  gemacht  wurde.
Auf  demselben  Werk  wurden  im  Mai  ohne  Kriegszuschlag  in  28
schichten  131,77  Mark,  in  24  Schichten  108,54  Mark,  in  27
Schichten  124,37  Mark  und  in  23  Schichten  112,97  Mark  verdient. ­
  Das  sind  Hauerlöhne,  die  bei  normalen  Zeiten  als  vollständig ­
  ungenügend  bezeichnet  werden  müssen,  in  der  jetzigenZeit
aber  nicht  mehr  vorkommen  sollten.
Die  im  April  d.  Js.  bewilligte  Teuerungszulage  von  40  Pf.
muß  im  Verhältnis  zu  der  vorgekommenen  Erhöhung  der  Kohlenpreise ­
  als  zu  gering  bezeichnet  werden.  Die  Herren  Werksbesitzer ­
  haben  wohl  die  ihnen  entstehenden  Mehrkosten  und  selbst
auch  die  von  den  Arbeitern  nicht  verschuldete  Minderleistung  angerechnet, ­
  aber  der  Erhöhung  des  Lohnes  für  die  Bergarbeiter
nicht  die  notwendige  Beachtung  geschenkt.  Die  sächsischen  Bergarbeiter ­
  sind  unter  den  Berufen  der  Kriegsindustrie  ,  die  am
schlechtest  bezahltesten  Arbeiter.  Auch  ihre  Kameraden  in  Westfalen ­
  verdienen  pro  Schicht  mindestens  3  Mark  mehr.  Wenn
man  berücksichtigt,  daß  auch  die  Arbeiter  mit  weit  höherem  Verdienst ­
  wie  die  sächsischen  Bergarbeiter  schwer  zu  kämpfen  haben,
um  Durchhalten  zu  können,  dann  ist  es  leicht  zu  verstehen,  wie
traurig  es  in  den  Familien  derBergarbeiter  aussehen  muß.  Nicht
nur  körperlich  und  gesundheitlich  ist  der  weitaus  größte  Teil  der
sächsischen  Bergarbeiter  auf  einer  Stufe  angelangt,  die  zu  den
ernstesten  Bedenken  Veranlassung  geben  muß,  sondern  auch  wirtschaftlich ­
  liegen  die  meisten  Familien  vollständig  darnieder,  weil
dieselben  seit  Jahren  nicht  in  der  Lage  waren,  irgend  welche  notwendigen ­
  Gegenstände  des  allgemeinen  Bedarfes  im  Haushalt
sich  kaufen  zu  können.
Der  fortgesetzte  Drang  zur  Abwanderung,  sowie  die  stattgesundenen
  Unterbrechungen  der  Kohlenförderung  auf  den  einzelnen ­
  Werken  sind  Beweis  dafür,  daß  die  Geduld  der  Bergarbeiter ­
  das  Höchstmaß  erreicht  hat  und  deshalb  schnelles  Handeln  geboten ­
  erscheint,  wenn  nicht  weitere  Störungen  in  der  Kohlenförderung ­
  eintreten  sollen,  die  unter  Berücksichtigung  der  jetzigen
Zeit,  verhindert  werden  müssen.
In  der  Hoffnung,  daß  die  berechtigten  Wünsche  der  Bergarbeiter ­
  volle  Beachtung  und  möglichst  schnelle  Erledigung  finden, ­
  zeichnet
mit  hochachtnngsvollem  Glückauf!
(Unterschrift.)
4-  »  *

17*
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.