Full text: Material zur Lage der Bergarbeiter während des Weltkrieges

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der langen Arbeitszeit einem sehr starken Kräfteverbrauch aus 
gesetzt, der durch eine kräftige Ernährung wieder ersetzt werden 
muß. Wenn das, wie oben dargelegt, infolge der niedrigen 
Entlohnung nicht möglich ist, so muß naturnotwendig die Ar- 
beits- und Leistungsfähigkeit sinken. Durch den übermäßigen 
Kräfteverbrauch tritt frühe Invalidität und damit weitere, ver 
stärkte Not in den Arbeiterfamilien ein. Es liegt aber nicht 
im Interesse der Industrie und des Staates, daß die Arbeits 
kraft binnen weniger Jahre aufgebraucht und der Arbeiter berg 
fertig wird. Vielmehr dürfte es von Vorteil, für die Industrie 
und die Allgemeinheit sein, wenn die Arbeitskraft der eingear 
beiteten Belegschaften möglichst lange erhalten bleibt. Um das 
zu erreichen, muß die Notlage der Braunkohlenarbeiterschaft ge 
mildert werden. 
Die schwierige Lage, in der sich die Arbeiterschaft befindet, 
wird auch von der Regierung und dem Parlament anerkannt. 
Als der Reichstag durch die Novelle vom 21- Mai 1917 die 
Preise für die Produkte der Kali-Industrie erhöhte, wurde auch 
die Bestimmung aufgenommen, daß die Kaliwerksbesitzer ihren 
Arbeitern zu den Löhnen, welche dieselben einschließlich der 
Teuerungszulage im vierten Quartal 1916 auf die Schicht ver 
dient haben, noch eine gesonderte Zulage von 1 Mark für 
männliche, 0,75 Mark für weibliche und 0,60 Mark für jugend 
liche Arbeiter unter 16 Jahren pro Arbeitsschicht zu zahlen 
haben. Dabei muß berücksichtigt werden, daß infolge des Weg 
falls der Ausfuhr die Lage der Kali-Industrie nicht so günstig 
ist als im Braunkohlenbergbau. Laut den offiziösen Mit 
teilungen der Presse hat die Regierung schon zweimal einer 
Kohlenpreiserhöhung in der Braunkohlenindustrie ihre Zustim 
mung gegeben - das letztemal zum 1. Juni 1917 — mit der 
Maßgabe, daß aus dem Mehrertrage die Bezüge der Arbeiter 
den Zeitverhältnissen entsprechend aufgebessert werden sollen, 
damit die Arbeitsfreudigkeit und Leistungsfähigkeit der Arbeiter 
dieser wichtigen Industrie erhalten bleibt. 
Aus den dargelegten Verhältnissen heraus gestatten sich die 
ergebenst unterzeichneten Vertreter der für den Bergbau in 
Jrage kommenden Arbeiterorganisationen, der verehrlicken Ver 
waltung im Aufträge der in der Anlage verzeichneten Arbeiter 
und Arbeiterinnen das höfliche Ersuchen zu unterbreiten: 
Die Löhne für männliche Arbeiter um 0,16 Mark pro 
Stunde (= 1,50 Mark für die normale zehnstündige 
Schicht): für Arbeiterinnen um 0,10 Mark pro Stunde 
(=--- 1 Mark pro zehnstüdige Schicht) und um 0,76 Mark 
pro Stunde (— 0,75 Mark pro zehnstündige Schicht) für
	        
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