Zeiten des Freiherrn vom Stein und Ernst Moritz
Arndts in deutschen Herzen leben: Der Staat, der seinen
Bürgern weitgehende Freiheit gewährt, aber fürsorglich
eingreift, wenn die Kraft des einzelnen nicht ausreicht
und wenn die Wohlfahrt des ganzen seine Hilfe und
seinen Beistand verlangt. Welcher Abstand von der kal-
ten Selbstsucht der britischen Schule, die nur Einzelwesen
kannte und die Gesellschaft nach Wagners Wort at o-
mis ir en wollte (§8 221). Wagner hat der Freihandel-
schule, die sich mit einer formalen Gleichheit seiner Bür-
ger begnügen wollte und vor allen Folgen des Kampfes
aller gegen alle beharrlich die Augen verschloß, den
Staat der sozialen Ref orm gegenüber ge-
stellt, wie wir ihn als Erbe des alten Kaisers Wilhelm I.
und seines großen Kanzlers des Fürsten v. Bismarck
besitzen, und der lange Zeit allen Völkern der Erde zum
Vorbild gedient hat. Exzellenz Adolph Wagner hat an
der Verwirklichung dieser Ideale großen Anteil gehabt.
l: die Förderung, die die Bodenreform Bewegung
durch ihn in ihren Anfängen erfahren hat, kann ich erst
in späteren Abschnitten dieses Buches berichten. Seine
glänzende Beredsamkeit und die überzeugende Kraft sei-
ner Worte haben mehr als alles andere dazu beigetra-
gen, der Bewegung Ansehen und Beachtung zu ver-
schaffen. Der Bund deutscher Bodenreformer kann es
sich zur Ehre anrechnen, den großen Denker und Kämpfer
seit dem Jahr 1900 als Ehrenmitglied in seinen Reihen
zu sehen, und hat seiner Verehrung und Dankbarkeit zu-
letzt an seinem achtzigstem Geburtstage, zwei Jahre vor
seinem am 8. November 1917 erfolgtem hinscheiden, Aus-
druck gegeben. Als Forscher von wenigen erreicht, in
heißer Vaterlandliebe von keinem übertroffen, als
Mensch allen unvergeßlich, so wird die ehrfurchtgebietende
Gestalt des Altmeisters der deutschen Staatswisssensschaft
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