Full text : Material zur Lage der Bergarbeiter während des Weltkrieges

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ständet  Ihr  nicht  hier"  und  spuckte  wieder  aus.  Zuletzt  frug
er,  wo  sie  ihr  Gezähe  hätten.  Der  Arbeiter  Sch.  sagte:  „Das
ist  noch  drin."  Da  wollte  er  es  herausholen  lassen,  woraus  Sch.
erwiderte:  „Das  geht  nicht,  denn  das  haben  wir  versteckt.  Wir
müssen  es  selber  holen."  Da  ging  das  Donnerwetter  noch  einmal ­
  los  :  „Pfui!  Das  Zeug  habt  Ihr  versteckt?  Das  sind
Kinderstreiche!"
Das  Gezähe  ist  Eigentum  der  Leute.  Da  sie  keine  Aufbewahrungsstellen ­
  haben,  müssen  sie  es  immer  nach  der  Schicht
verstecken,  damit  es  ihnen  nicht  abhanden  kommt.  Die  Verhandlungen ­
  haben  sich  also  verschlagen  an  der  Bildung  eines
Grubendirektors.  Das  sind  die  vielgepriesenen  Zustände,  unter
denen  unsere  Leute  in  Deutschland  leben  in  der  schweren  Zeit
des  Krieges.
Auch  aus  dem  niederschlesischen  Steinkohlenbergbau  liefen
Klagen  wegen  Lohn-  und  Gedingekürzungen  ein.  Das  Verfahren ­
  der  zehnstündigen  statt  der  achtstündigen  Schicht  wird
pro  Woche  zweimal  allgemein  verlangt.  Wer  sich  weigert,  mutz
die  Fahrten  zutage  klettern,  oder  er  wird  bestraft.
Daß  auf  den  niederschlesischen  Gruben  die  früher  bereits
gerügten  Ueberweisungsscheine  noch  benutzt  werden,  durch
welche  die  Freizügigkeit  gesetzwidrig  aufgehoben  ist,  beweist  folgende ­
  Abschrift  eines  solchen.  Wir  bitten  um  Beseitigung  dieses
gesetzwidrigen  Systems.  Der  Ueberweisungsschein  lautet:
„Wir  bescheinigen  hierdurch,  daß  wir  nichts  dagegen  einzuwenden ­
  haben,  daß  der  bei  uns  bis  zürn  9.  Dezember  v.  I.  beschäftigt ­
  gewesene  Koksarbeiter  G.  M.  aus  W.  auf  Melchiorgrube
angelegt  wird.
Hermsdorf  (Bezirk  Breslau),  den  1.  Februar  1915.
Steinkohlenwerk  Vereinigte  Glückhilf-Friedenshoffnung.
Die  Verwaltung.  (Name  unleserlich.)
Die  nachfolgenden  Auszüge  aus  Lohnbüchern  ergeben  teilweise ­
  völlig  unzureichende  Löhne.
Schlesische  Kohlen-  und  Kokeswcrke,  Gottesberg.
Für  127  Hauer  ergaben  die  Lohnbücher  1914  folgende  Durchschnittslöhne
  (in  Mark):
Durchschnitt  Durchschnitt
April  Mai  Juni  der  drei  Monate  Oktober  Novbr.  Dezbr.  der  drei  Monate
4,12  4,09  4,08  4,09  4,03  4,02  4,10  4,05
Bei  80  Hauern  sind  die  Löhne  gefallen,  bei  89  gestiegen  und  bei
8  Hauern  gleichgeblieben.
            
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