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VII. Reichtum und sein Gebrauch.
Fortschritt, jede Entwicklung würde aufhören. Was für eine Zu
kunft wäre der Menschheit beschieden, wenn sie von den Reichen
allein abhängen würde! Alles Gute und alles Große würde auf
hören, und die menschliche Gesellschaft würde in Barbarei zurück
fallen. Man schaffe den Luxus ab, nicht aber den Boden, auf
dem alle Tugend und all das, was kostbar im menschlichen Wesen
ist, gedeiht: Armut — ehrliche Armut!
Lassen Sie mich, meine verehrten Zuhörer, für einen Augen
blick annehmen, daß Sie alle so glücklich sind, arm geboren zu
sein: In diesem Falle muß es Ihre erste Sorge sein: was habe
ich zu lernen im Interesse der Allgemeinheit, das mir genug Mittel
einbringen würde, mich zu ernähren, zu kleiden; mir - Obdach zu
geben und mich von jeder Wohltätigkeitshilfe anderer unabhängig
zu machen? Was habe ich zu tun, meinen Lebensunterhalt zu
gewinnen? Nun, ein junger Mann mag sich dem einen oder dem,
anderen zuwenden; er mag die eine Sache lieber ergreifen als
die andere; er mag ein Geschäftsmann oder Handwerker irgend
welcher Art, oder ein Geistlicher, Arzt, Elektriker, Baumeister,
Zeitungsredakteur oder Jurist werden — ich habe keine Zweifel,
daß einzelne unter Ihnen im wildesten Flug ihrer Einbildung sich
als Journalisten sehen; alles das ist ganz einerlei, solange der
junge Mann den Gesichtspunkt im Auge behält: Kann ich in dem
von mir erwählten Beruf eine solche Fertigkeit erlangen, daß ich
durch dessen Ausübung mir meinen Lebensunterhalt zu verdienen
vermag?
Der junge Mann, welcher entschlossen ist, sein Leben für
andere nützlich zu machen und deshalb den gerechten Anspruch
erhebt, von einer dankbaren Umgebung als Entgelt die zu seinem
Unterhalt nötigen Lebensmittel zu erlangen, begreift voll und ganz
die höchsten Pflichten eines jungen Mannes. Er begegnet der
zur Entscheidung drängendsten Lebensfrage und entscheidet diese
Frage in durchaus rechtem Sinne. Soweit besteht mit Bezug auf
die Erlangung reichlicher Mittel keinerlei Meinungsunterschied.
All und jeder gibt ohne weiteres zu, daß eines jeden erste Pflicht
die Erlangung solcher Fertigkeiten ist, die ihn instand setzen, sich
selbst zu erhalten. Auch bezüglich des nächsten Schrittes waltet
keinerlei Schwierigkeit ob; kein junger Mann hat seine Pflicht voll