Full text : Kaufmanns Herrschgewalt

X

Einleitung.

er  Anstalten,  Carnegie  zur  Unterwerfung  zu  zwingen.  Rockefeller
und  Morgan  übersandten  dem  „Stahlkönig“  ein  Ultimatum;  es
lautete  dahin:  er  solle  wählen  zwischen  einem  Preis  für  seine  Werke
von  10  Millionen  Pfd.  Sterl.  (200  Millionen  M.)  oder  Zerschmetterung. ­
  Das  war  unverschämt,  denn  der  jährliche  Nutzen  der
Carnegieschen  Werke  betrug  beinahe  soviel  wie  das  Angebot.  Carnegie ­
  antwortete  mit  der  Drohung,  für  3  Millionen  Pfd.  neue  Werke
zu  errichten,  groß  genug,  um  den  Kampf  gegen  den  Trust  aufzunehmen. ­
  Außerdem  drohte  er  mit  dem  Bau  eigener  Bahnen,  um
dem  Trust  als  Eigentümer  der  von  ihm  erworbenen  Bahnlinien  die
Spitze  zu  bieten.  Das  brachte  Morgan  und  Rockefeiler  zur  Besinnung. ­
  Carnegie  erhielt  von  dem  Trust  fünfzig  Millionen  Aktien
mit  einer  Zinsgarantie  von  mindestens  5  Prozent;  er  bezieht  also
allein  aus  diesen  Werken  eine  jährliche  Einnahme  von  100  Millionen  M.
Carnegie,  welcher  längst  die  Bildung  der  Trusts  vorausgesehen,  zog
sich  jetzt  gänzlich  vom  Geschäft  zurück,  um  seinen  Studien,  seinen
philanthropischen  Plänen  und  vor  allem  seiner  Familie  zu  leben.
Er  hätte  das  große  Glück,  seine  Mutter,  die  im  eigentlichsten  Sinne
des  Wortes  der  Schutzengel  seines  Lebens  gewesen,  bis  in  seirt
bestes  Mannesalter  hinein  zu  behalten.  So  lange  sie  lebte,  blieb
er  Junggeselle.  Nach  seinem  Tode  heiratete  er  eine  Amerikanerin,
deren  liebenswürdige  Bescheidenheit  und  Gastfreundschaft  von  allen
hochgepriesen  wird.  Er  besitzt  nur  ein  einziges  Kind;  eine  Tochter
von  jetzt  etwa  21  Jahren.  Seinen  Gewohnheiten  nach  ist  der
Schloßherr  von  Skibo  —  dies  der  Name  des  von  Carnegie  in  seiner
alten  schottischen  Heimat  erworbenen  Landsitzes  —  außerordentlich
einfach.  Er  raucht  nicht  und  trinkt  wenig.  Wie  er  selbst  gelegent-,
lieh'  erzählt,  verdankt  er  seine  auch  noch  heute  eiserne  Gesundheit
seinem  glücklichen  Temperament;  Sorgen  hat  er  sich  nach  Behauptung ­
  seiner  Geschäftsfreunde  und  Partner  von  jeher  abgeschüttelt,
wie  die  Ente  das  Wasser.  Carnegie  ist  auch'  ohne  nobilitiert  zu
sein  ein  Edelmensch.  Neben  seiner  wunderbaren  körperlichen  und
geistigen  Zähigkeit  verdankt  er  seine  Erfolge  vor  allem  seiner  unerschütterlichen ­
  Rechtschaffenheit,  Ehrenhaftigkeit  und  —  seiner  ausgezeichneten ­
  Mutter.  Carnegie  preist  die  Armut  als  Glück  und
Erfolg  bringend;  aber  wer  gesund  ist  wie  er,  und  ein  so  glückliches, ­
  wenn  auch  armes  Familienleben  wie  er  von  seiner  allerersten
Kindheit  an  genossen,  der  ist  nicht  arm;  nein,  der  ist  geradezu
            
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