Full text : Kaufmanns Herrschgewalt

X.  Geschäft.

139

Anlagen  von  Kapital  zu  tun  hat,  mit  Eisenbahnsicherheiten,  mit
Vorschüssen  an  Kaufleute  und  Fabrikanten,  welche  die  letzteren
in  den  Stand  setzen,  ihre  Wunder  zu  wirken,  findet  sehr  bald,
daß  sich  auch  im  Geschäft  Romantik  und  unbegrenzter  Raum
für  seine  Phantasie  findet.  Er  ist  in  der  Lage,  einen  in  seiner  Art
weltweiten  Kredit  zu  gewähren.  Ein  einfacher  Brief  von  ihm
wird  einen  Reisenden  zu  dem  fernsten  Teil  der  Erde  bringen.
Ja,  er  kann  sogar,  während  einer  Krisis,  seinem  Lande  große
Dienste  leisten,  wie  beispielsweise  Richard  Morris,  der  große  Kaufmann ­
  in  Philadelphia,  dem  General  Washington  in  den  Zeiten
unserer  Revolution,  oder  wie  unsere  großen  Bankiers  der  Gegenwart, ­
  die  unserer  Regierung  erhebliche  Goldvorschüsse  in  Zeiten
der  Krisis  machten  und  dadurch  Unglück  verhüteten.
Wenn  ein  junger  Mann  im  Geschäft  keine  Romantik  findet,
dann  liegt  die  Schuld  nicht  am  Geschäft,  sondern  an  ihm.  Vergegenwärtigen ­
  Sie  sich  nur  die  Wunder  und  Mysterien,  die  mit
der  neueren  Entwicklung  der  unkörperlichsten  aller  physikalischen
Kräfte  —  der  Elektrizität  —  einer  bis  jetzt  kaum  gekannten  und
vielleicht  noch  weniger  begriffenen  Naturgevvalt,  verbunden  sind.
Der  junge  Mann  muß  doch  wahrhaftig  stumpf  und  durch  und
durch  prosaisch  veranlagt  sein,  welcher  bei  einer  Beschäftigung
mit  Elektrizität,  gleichviel  in  welcher  Gestalt,  vom  schwerfällig
rein  materiellen  Geschäft  nicht  zur  Sphäre  des  Geheimnisvollen
erhoben  wird.  Geschäft  ist  nicht  bloß  Kasse  allein;  die  Dollars
sind  nur  die  Schalen,  der  Kern  der  Sache  liegt  tiefer  und  bringt
jedem  Genüsse  mit  der  Entwicklung  höherer  Fähigkeiten  des
Geschäftsmannes,  welche  beständig  aufgerufen,  entwickelt  und  zur
Reife  gebracht  werden.  Solange  Militarismus  und  barbarische  Gewalt ­
  die  Welt  regierten,  war  die  Verachtung  für  alles,  was  Geschäftsmann ­
  hieß,  allgemein.  Doch  wie  ganz  und  gar  hat  das
alles  sich  heutzutage  geändert!  Allerdings  darf  man  nicht  vergessen, ­
  daß  diese  Verachtung  verhältnismäßig  neueren  Datums
war,  denn  wenn  wir  in  die  Geschichte  weiter  rückwärts  blicken,
finden  wir,  daß  die  alten  Familien  auf  nichts  so  stolz  waren,  wie
auf  die  Rolle,  welche  sie  in  der  Geschäftswelt  spielten.  Wollsack
und  Kombüse  prangen  noch  heute  in  den  Wappen  einzelner.  Eine
der  einflußreichsten,  ja  vielleicht  geradezu  der  einflußreichste  Staats ­
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.