Full text : Kaufmanns Herrschgewalt

XI.  Die  Stahlfabrikation  des  neunzehnten  Jahrhunderts

Fall,  abgesehen  davon,  daß  hier  noch  minder  wertvolle  Kohlenfelder ­
  der  Ausnützung  warten  —  sollten,  was  wahrscheinlich  ist,
die  Kohlenpreise  steigen.  Rußland  war  bis  jetzt  für  die  Stahlfabrikation ­
  von  nur  geringer  Bedeutung:  wenn  es  bis  gegen  die
Mitte  des  laufenden  Jahrhunderts  seine  eigenen  Bedürfnisse  an
Stahl  zu  decken  vermag,  darf  es  zufrieden  sein.  Abgesehen  von
den  Vereinigten  Staaten,  sowie  von  Großbritannien  und  Deutschland, ­
  wird  wenig  Stahl  in  der  Welt  gemacht;  auch  ist  es  nicht
sehr  wahrscheinlich,  daß  künftig  noch  ein  anderes  Land  viel  davon ­
  produzieren  wird.  Die  Erwartung  von  Japan  und  China,  einst
Stahl  zu  fabrizieren,  hält  der  Verfasser  für  irrig.  Großbritannien
und  Deutschland  dürften  später  nicht  viel  mehr  Stahl  machen,  als
jetzt,  so  daß  dann  die  Vereinigten  Staaten  allein  den  täglich  sich
mehrenden  Weltbedarf  decken  können.  Der  heute  bekannte  Vorrat
an  für  die  Stahlfabrikation  geeignetem  Eisenstein  genügt,  um  alle
nur  möglichen  Bedürfnisse  der  ganzen  Welt  für  die  erste  Hälfte
des  gegenwärtigen  Jahrhunderts  zu  befriedigen;  und  so  weit  der
Koks  in  Betracht  kommt,  sogar  für  das  ganze  Jahrhundert.  Dabei
ist  die  Entdeckung  weiterer  Naturvorräte,  ehe  noch  die  bekannten
Vorräte  erschöpft  sind,  keineswegs  ausgeschlossen.
In  wenigen  Jahren  dürfte  die  Ausfuhr  von  Eisen  und  Stahl,
sowie  die  von  Eisen-  und  Stahlfabrikaten  von  den  Vereinigten
Staaten  nach  verschiedenen  Teilen  der  Welt  groß  genug  sein,  um
ein  anderes  Kapitel  beispielloser  Entwicklung  in  der  Geschichte
des  Stahls  zu  bilden;  sie  beträgt  jetzt  schon  129  Millionen  Dollar
(516  Millionen  Mark).
Desgleichen  muß  die  Ausgiebigkeit  unserer  amerikanischen
Stahlfabrikation  auf  die  einheimische  Entwicklung  von  wunderbarer ­
  Wirkung  sein.  Die  Nation,  welche  den  billigsten  Stahl  zu
machen  imstande  ist,  wird,  soweit  die  Fabrikation  in  den  meisten
einschlägigen  Gebieten  in  Betracht  kommt,  notwendigerweise  die
anderen  Nationen  beherrschen.  Der  billigste  Stahl  vermittelt  die
billigsten  Schiffe,  die  billigsten  Maschinen  und  mehr  als  tausend
andere  Artikel,  welche  teilweise  oder  ganz  aus  Stahl  gemacht
werden,  am  billigsten.  Wir  stehen  an  dem  Vorabend  einer  Entwicklung ­
  der  Industriemächte  unserer  amerikanischen  Republik,
dergleichen  die  Welt  niemals  vorher  gesehen  hat.
            
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