XVII. Die Manchester-Schule und die Gegenwart. 205
weder ihren Scharfsinn in Schatten, noch vermindert es ihre Verdienste.
Der Freihandel, den Manchester sah und dessen allgemeine
Annahme es vorhersagte, betraf den Austausch verschiedener unter
sich nicht konkurrierender Artikel und den Austausch von Rohmaterial
gegen Industrieerzeugnisse: denn die Völker hatten zu
jener Zeit noch nicht begonnen, untereinander in denselben Industrieerzeugnissen
ernstlich zu wetteifern. Wenn das heutzutage
nicht verwirklicht wurde, weil die hauptsächlichsten Nationen Verarbeiter
ihrer eigenen Rohmaterialien wurden, ihre Bedürfnisse
selbst deckten und dabei auf dem Weltmärkte mit ähnlichen Erzeugnissen
konkurrierten, so können wir uns doch' andererseits
dazu beglückwünschen, daß sich sogar etwas Besseres für den
Fortschritt der Welt mit reißender Eile vollzogen hat als die
Manchesterideale.
Es ist nutzlos, darüber Betrachtungen anzustellen, wie die
Stellung der verschiedenen Nationen untereinander sich in Zukunft
gestalten wird, da die bestehenden Bedingungen sich jeden Tag
verändern können. Eine chemische Entdeckung, eine elektrische
Erfindung, bis dahin unbekannte Eigenschaften benutzten Materials,
kurz, irgend dergleichen, oder irgendeine andere nicht unwahrscheinliche
Überraschung, an deren Schwelle wir zeitweise zu
stehen scheinen, kann eine volle Umwandlung hervorrufen. Der
Ersatz des Zuckerrohres durch die Zuckerrübe hat vor nicht allzu
langer Zeit Westindien vernichtet, obgleich es als Zuckerland fast
ein Monopol zu bestizen schien; die Entwicklung der Mesaba-Eisenminen,
verbesserte Verkehrsmittel und andere geringere Ursachen
haben Amerika gerade jetzt zum billigsten Erzeuger von
Stahl gemacht, während es bis dahin sein teuerster Erzeuger war;
der basische Prozeß hat Deutschland in der Stahlproduktion zu
einer führenden Stellung verholten, während es vorher von diesem
Gebiete gänzlich ausgeschlossen schien; derselbe Prozeß verspricht
kaum weniger bedeutende Wirkungen für Großbritannien. Die
Entdeckung von Bergwerken und die Ausdehnung seines Eisenbahnsystems
dürften Rußland bald zu einem wichtigen Industrieland
machen, während es bisher als solches nur wenig zählte.
Die Ausnützung der Wasserfälle für Elektrizität, die Verschiebung