Full text : Kaufmanns Herrschgewalt

214  XVIII.  Was  für  Tarife  würde  ich  aufstellen,

usvv.  Das  alles  wird  bei  uns  nicht  fabriziert.  Für  Kohle  und  Eisen
sollte  der  neue  Tarif  keinerlei  Reduktionen  bringen,  weil  eine  Reduktion ­
  auf  nahezu  die  Hälfte  zu  heftig  wirkt.  Es  bedarf  der
Zeit,  bis  eine  Industrie  sich  einer  so  bedeutenden  Veränderung  anbequemt.
  Nebenbei  bemerkt,  ist  eine  Abgabe  von  40  Prozent  per
Tonne  auf  Erz  und  30  Prozent  per  Tonne  für  Kohle  sehr  gering.
Das  findet  im  allgemeinen  auch  auf  Eisen  und  Stahl  Anwendung.
Beide  haben  neuerdings  durch  Verminderung  der  Eingangszölle
gelitten.  Das  Mac  Kinley-Gesetz  hat  diese  Abgaben  um
ebensoviel  reduziert  als  das  Wilsongesetz:  nämlich  um  30  Prozent.
Die  Baumwollenbänder  von  allen  Abgaben  zu  befreien,  und  alle
anderen  Formen  von  Stahl  abgabepflichtig  zu  lassen,  das  war  der
größte  Fehler  des  neuen  Tarifs:  ein  Stück  von  reinem  Partikularismus, ­
  dem  Gifte  des  Bundessystems.  Die  Hälfte  der  früheren
Abgaben  sollte  der  Baumwolle  wieder  auferlegt  werden.
Werke  der  Kunst  müßten  von  Abgabe  frei  bleiben;  ebenso
Bilderrahmen,  die  jetzt  abgabepflichtig  sind;  da  die  dadurch  gewonnenen ­
  Summen  kaum  in  Betracht  kommen,  während  die  Umstände ­
  und  der  Aufenthalt,  der  durch  die  Schätzung  jedes  einzelnen
Rahmens  verursacht  wird,  die  Einfuhr  entmutigt.  Solche  Sachen
finden  zuletzt  doch  in  öffentlichen  Galerien  ihren  Platz  und  werden
damit  kostbare  Besitztümer  des  Volkes.  Ein  anderer  sehr  wichtiger ­
  Punkt  in  dem  Tarif  hat  keineswegs  die  für  ihn  wünschenswerte ­
  Beachtung  gefunden;  ich  meine  die  Bestimmung,  welche  die
Einfuhr  von  Material  erlaubt,  welches  für  Herstellung  von  Ausfuhrartikeln ­
  bestimmt  ist.  In  einem  solchen  Falle  werden  99  Prozent ­
  der  Abgaben  erlassen.  Darin  zeigt  sich  ein  wirklich  staatsmännisches
  Verständnis,  von  gleicher  Wichtigkeit  wie  das  Gegenseitigkeitsverhältnis; ­
  etwas  was  für  die  Förderung  der  Ausdehnung
unserer  Handelsbeziehungen  sehr  wesentlich  ist.  Auch  das  würde
ich  in  meinen  Tarif  aufnehmen,  hur  mit  dem  Unterschied,  daß  ich
auch  den  Rest  von  1  Prozent  erlassen  würde,  so  daß  der  amerikanische ­
  Produzent  die  Möglichkeit  besäße,  in  allem,  was  er  für
die  Ausfuhr  einkauft,  von  allen  Märkten  der  Welt  Nutzen  zu,
ziehen.  Auf  diese  Weise  könnte  er  auf  den  verschiedenen  Märkten
der  Welt  unter  gleichen  Konkurrenzbedingungen  mit  den  Industriellen ­
  Europas  auch  als  Verkäufer  auftreten.  Schriftsteller  und
            
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