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DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE
zustutzen und umzumodeln, und man dürfte von der Wirkung
also aufgemachter Reklame angenehm überrascht sein. Wer
etwa der Meinung sein sollte, daß diese Reklameform zu
„grotesk“ sei, dem sei erwidert, daß „grotesk“ kein Verbrechen
ist, und daß es mir immer noch richtiger erscheint, wenn der
„Schankwirt‘“ in seinen Reklamen etwas aus der Reihe tanzt,
also wenn er apart und originell wird, als wenn seine Emp-
fehlungsanzeigen gähnende Langeweile atmen und beim Leser
den Verdacht wecken, ebenso langweilig könne es in dem Lokal
zugehen. Da sind mir auf jeden Fall die grotesk wirkenden
Anzeigen „Erschröckliche Begebenheit im Tucher“, „Sturm
aufs Tucher“ sowie „Wilhelm Tell — Kjemal Pascha“ lieber,
die ich ebenfalls als Musterbeispiele wiedergebe und deren
Heimat Dresden ist. Diese Anzeigen erfüllen das, was eigent-
licher Lebenszweck des Reklameinserats sein soll: Sie fallen auf!
Nun bitte ich mir auf einen Sprung in den fernen Osten.
ins Land der Kirschenblüte und Chrysanthemen, nach Japan,
zu folgen. Es ist nicht ganz uninteressant, auch von dort ein
paar Reklamemuster serviert zu bekommen. Vielleicht bieten
sie dem oder jenem, der auf ganz Besonderes, Ausgefallenes
Jagd macht, einige Anregungen. Japanische Geschäftsleute
suchen ihre Waren durch folgende Anpreisungen, dortigen
Zeitungen entnommen, an den Mann oder auch an die Frau
zu bringen:
Unjere Waren
werden dem Kunden mit der Schnel-
[igfeit einer anonenkfugel ins Haus
beiörbert.
unferer Bücher ift Mar wie Kriftall,
der Inhalt bezaubernd wie ein
jingendes Mädchen.
„Unsere Kunden werden mit einer Höflichkeit behandelt, wie
sie sonst nur von rivalisierenden Schiffsgesellschaften dem
Passagier gegenüber geübt wird.“
„Unsere Seiden- und Satintücher sind weich wie die Wangen
einer Dame und in der Farbe prächtig wie der Regenbogen.‘
Würde es nicht originell und werbend wirken, wenn ein
deutscher „Schankwirt‘“, in Anlehnung an diese Muster, in
seinen Anzeigen verkünden wollte: